Ein Erfahrungsbericht der AHSt Chicago
„New Orleans ist eine riesige Baustelle, bei der die Bauarbeiten lustlos unkoordiniert und nur sehr langsam voranschreiten“. Das ist der Haupteindruck, welcher sich dem Besucher 2 Jahre nach den verheerenden Hurrikanstürmen im südlichen US-Bundesstaat Louisiana aufdrängt. Die Bevölkerungszahl ist von 450.000 auf 250.000 geschrumpft und nach wie vor ist nicht sicher, wie viel der weggezogenen Einwohner wieder in die Stadt am Mississippi zurückkehren werden. „Der Wiederaufbau eines ‚neuen New Orleans’ ist eine große Herausforderung, aber auch Chance“, betonen die Wirtschaftsvertreter der Stadt.
Erst im Mai 2007 oder 20 Monate nach der Naturkatastrophe hat die Stadtverwaltung einen Plan veröffentlicht, in welchen der zerstörten Stadtviertel vorrangig die nötige Infrastruktur wie Straßen, Polizeistationen und Schulen zuerst errichtet werden soll. Die Stadt hat für die 17 aufzubauenden Viertel ein ‚one Stop Shop’ errichtet, in welchem Hausbesitzer aber auch Investoren alle nötigen Infos für den Neustart erlangen können. Die Auszahlungen aus dem ‚Road Home’ Programm für nicht von Versicherungen getragene Schäden bis zu 150.000 USD laufen jedoch nur schleppend an und gestalten sich mangels nicht vor Ort mehr präsenter Antragsteller sehr schwierig. Alles viel zu spät, um die geflohene Bevölkerung wieder zurück zu gewinnen, werden sowohl die Gouverneurin des Bundesstaates als auch der Bürgermeister kritisiert. Die Bewohner fühlen sich auf sich alleine gestellt und die zaghaften Zeichen des Wiederaufbaus sind meist auf engagierte Privatinitiativen zurückzuführen. Die meisten Beobachter prognostizieren entsprechend für die Stadt selber in den nächsten Jahren schwierige und schlechte Zeiten, während es für die Großraum insgesamt schon bald wieder bergauf gehen soll. Es wird daher sicherlich noch etwas länger dauern, bis dass der Stadtslogan ‘Trade and All That Jazz..’ wieder Gültigkeit erlangen wird.
Louisiana war schon vor den Hurrikans einer der wirtschaftlich schwächeren Bundesstaaten (Rang 24 in US-Bundesstaatenwertung). Neben der Landwirtschaft (Getreideanbau) sind vor allem die Petrochemie, Logistik, der Schiffbau sowie die Papierindustrie bedeutend. Geschäftsmöglichkeiten für österreichische Firmen gibt es am ehesten im Bausektor und der Immobilienentwicklung, im Transport- und Logistikbereich, bei Baumaterialien, Umwelttechnologien sowie in der landwirtschaftlichen Verarbeitungs-, Nahrungsmittel- und Meeresfrüchteindustrie. Bestandsaufnahme: Momentan gibt es in Louisiana keine einzige österreichische Auslandsinvestition. Das Außenhandelsvolumen des Bundesstaates mit Österreich wird auf rund 2 Mio. USD geschätzt. Österreich und dabei besonders Innsbruck genießen in New Orleans viel Sympathie. Seit 1997 forciert das ‚Center for Austrian Culture and Commerce’ an der Universität von Lousiana den Austausch und Kontakt mit der Universität Innsbruck. Jedes Jahr verbringen rund 300 Amerikaner der Universität ihren Sommer in den Tiroler Alpen.
Die Wirbelstürme Katrina und Rita haben im August und September 2005 rund 80% der Stadtfläche von New Orleans verwüstet. Neben der Kraft des Windes haben vor allem die Überflutungen nach den Dämmbrüchen am Mississippi die größten Schäden angerichtet. Neben dem Bundesstaat Louisiana waren vom tropischen Wirbelsturm auch die Bundesstaaten Mississippi, Alabama und Georgia betroffen. Alleine für Louisiana beträgt die Schadensumme über 150 Mrd. USD.
Tourismus:
Das berühmten französischen Viertel der Stadt, da höher gelegen, ist von den Hurrikans nahezu unversehrt davongekommen. Die Behörden sind nun sehr bestrebt, möglichst schnell wieder Touristen und Kongressgäste in die Stadt zu bekommen. Hinderlich dabei ist, dass von den Bildern im Fernsehen die meisten glauben, dass die Stadt noch immer unter Wasser steht. Die US-Fluglinien haben die Anzahl ihrer Flugverbindungen nach New Orleans nach der Katastrophe um 25% reduziert, aus dem Ausland ist New Orleans überhaupt nicht mehr direkt erreichbar. Der Flughafen selbst ist aber wieder im Normalbetrieb und die nach dem Hurrikan im Zuge des Wiederaufbaus entstandenen Schäden beinahe beseitigt. New Orleans hat das US-weit viertgrößte Konvention Center und war vor den Stürmen eines der wichtigsten US-Kongress-Städte. Ein weiteres Werbeargument für Louisiana: Dies ist der einzige US-Bundesstaat, in welchem internationale Besucher die Umsatzsteuern (sales tax) auf Einkäufe wieder refundiert bekommen können.
Investoren gesucht:
New Orleans eignet sich aufgrund seiner Lage am Mississippi als Distributionscenter für die gesamten USA. Die Stadt ist ein bedeutender Bahn- und Straßenknotenpunkt. Der ‚Gulf Opportunit Zone Act 2005’ sieht u.a. Steuerbegünstigungen für Investitionen und für Bildungsausgaben von Arbeitnehmern vor, die bis zum Jahr 2010 gewährt werden. Weiters sind Washington D.C. jeder neue Arbeitsplatz mindestens USD 2.500 wert.
Weblinks:
Organisationen:
World Trade Center New Orleans
City of New Orleans – Webseiten der Stadtverwaltung von
Center for Austrian Culture and Commerce’ an der Universität von Lousiana
Programme:
Gulf Opportunity Zone Act of 2005 – von Bundesregierung verabschiedetes Förderprogramm
Road Home Program – Staatliches Kompensationsprogramm für Hausbesitzer mit nicht ausreichender Versicherung
Louisana Speaks – Wiederaufbaustrategie für die Stadt
Geschäftschancen:
Key Louisiana Contacts for International Trade – Hauptansprechpartner für internat. Geschäftsleute
Louisiana International Trade Bulletin – kostenloser monatlicher Newsletter
South Louisiana Rebuilding Opportunities – Power Point Präsentation über Geschäftsmöglichkeiten Wiederaufbau
Louisiana Directory of Louisiana Construction Projects (über 250 laufende Projekte, auch im Excel Format erhältlich)
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