ÖNACE 2008 - Neue Klassifikation der Wirtschaftstätigkeiten

28.12.2012
Dr. Ulrike Oschischnig

Informationen und weiterführende Verweise

Auf dieser Seite finden Sie die wichtigsten Informationen zur wirtschaftlichen Aktivitätsklassifikation ÖNACE 2008. Die nachfolgenden Punkte vermitteln einen groben Überblick zu den Grundlagen wirtschaftsstatistischer Klassifikationen, zu internationalen Aspekten der Aktivitätsklassifikation, zum Revisionsprozess und den Änderungen gegenüber der ÖNACE 2003. Weiters wird die Gliederung und das Kodierungssystem erläutert sowie die Klassifikationsmitteilung von Statistik Austria erklärt. Unter den weiterführenden Informationen finden Sie Links zu Informationsseiten, die detaillierte Infos zu speziellen Themenbereichen über die Klassifikation der wirtschaftlichen Tätigkeiten anbieten. Im Downloadbereich kann u. a. ein Informationsfolder kostenlos bezogen werden.

 

Sollten Sie Ihre Klassifikationsmitteilung verlegt haben und Ihren ÖNACE Code benötigen, wenden Sie sich bitte an Statistik Austria (Hotline 01/71128-8686)

 

Wirtschaftsstatistische Klassifikationen

Um Statistiken vergleichbar darstellen zu können, ist es notwendig neben einheitlichen Methoden, identische Klassifikationen zu verwenden. Klassifikationen sind Systematiken, welche die zu kategorisierenden Elemente (z.B.: Tätigkeiten von Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Arten von Staatseinnahmen etc.) ordnen und zu einem Schema zusammenfassen. Dieses Schema findet mittels alpha- bzw. numerischer Codes (Buchstaben- bzw. Zahlencodes) Anwendung auf die zuzuordnenden Elemente.

Auf dieser Seite wird eine der wichtigsten Arten von wirtschaftstatistischen Klassifikationen, nämlich jene der Wirtschaftsaktivitätsklassifikationen, welche die wirtschaftlichen Tätigkeiten umfassend in einer für statistische Zwecke geeigneten Struktur abbilden, erläutert. Als Grundlage für die Ziehung von Stichproben in der Datenerhebung, für Aggregationen des erhobenen Datenmaterials etc. sind diese Klassifikationen ein äußerst wichtiges Instrument in der Statistik. Entsprechend einsichtig ist es, dass die wirtschaftlichen Aktivitätsklassifikationen die realen wirtschaftlichen Gegebenheiten möglichst genau abbilden sollen. Mittels der Systematiken der Wirtschaftstätigkeiten werden wirtschaftliche Einheiten (Arbeitsstätten, Betriebe, Unternehmen) nach dem Schwerpunkt ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit klassifiziert.

 

Regionale Ebenen der Aktivitätsklassifikation

Auf internationaler Ebene wird die UN-Klassifikation „International Standard Industrial Classification of all Economic Activities“ (ISIC) Rev. 4 zur Erfassung der wirtschaftlichen Tätigkeiten angewandt. Diese hat einen 4-stelligen Code und ist nicht sehr detailliert, damit die Klassifikation weltweit anwendbar ist. In ihrem Code heißt "9" immer "Sonstige", also die Kategorie, die alle Einheiten zusammenfasst, die nicht den anderen Kategorien derselben Ebene zugeteilt werden können.

Die EU-Klassifikation der wirtschaftlichen Tätigkeiten „Nomenclature européenne des activités économiques“ (NACE) Rev. 2 hat ebenfalls einen 4-stelligen Code, der aber nicht immer dem ISIC-Code entspricht. Die dritte und vierte Ebene der ISIC wurde auf europäischer Ebene detaillierter untergliedert, wobei diese aber auf die Struktur der ISIC aggregiert werden kann. Die gleiche Tätigkeit kann jedoch in den beiden Klassifikationen einen anderen numerischen Code haben.

Auf nationaler Ebene wird ab 2008 die ÖNACE 2008 angewandt. Diese Aktivitätsklassifikation untergliedert die europäische NACE mittels Unterklassen noch detaillierter, sodass österreichische Spezifika berücksichtigt werden können. Ihr Code ist 5-stellig und stimmt bis zur 4. Stelle mit der NACE überein. Die Unterklassen werden dabei durch die mit Bindestrich abgetrennte letzte Ziffer des Codes dargestellt.

 

Revision der Aktivitätsklassifikationen
 
Nachdem die Realität ständig Veränderungen unterworfen ist, ändern sich die wirtschaftlichen Tätigkeiten ebenfalls im Wandel der Zeit (z.B.: führen technische Entwicklungen zu geänderten Produktionsprozessen und –organisationen). Ohne Anpassung der Klassifikation wird diese daher die realen Aktivitäten immer schlechter erfassen. Die Revision der Wirtschaftsaktivitätsklassifikationen in bestimmten Zeitabständen soll dem Aspekt der geänderten wirtschaftlichen Realität daher Rechnung tragen. In jüngster Zeit trifft dies insbesondere auf die Dienstleistungsbranche zu, wo neue Sektoren entstehen und bestehende deutlich an Bedeutung gewinnen.

Die Grundstrukturen der vor 2008 gültigen Aktivitätsklassifikation stammen aus Mitte der Achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, sodass im Rahmen der Operation 2007, die ISIC Rev. 3.1 (UN-Ebene) umfassend überarbeitet wurde und nachfolgend auch die NACE Rev. 1.1 (EU-Ebene) und die ÖNACE 2003 (Österreich) den geänderten wirtschaftlichen Verhältnissen angepasst wurden.

Wichtig bei der Erstellung der neuen Struktur von ISIC Rev. 4 war vor allem eine Vergleichbarkeit internationaler Daten auf der Ebene der Abteilungen (2-Steller) und ein Zusammenführen der wichtigsten Klassifikationen (USA, EU, Japan, Australien). Neuerungen gab es vor allem im Informationssektor, bei Tätigkeiten in Verbindung mit dem Internet, im Umweltsektor, bei "neuen" Technologien, im Dienstleistungssektor, bei Gesundheitsdienstleistungen und in der Landwirtschaft.

 

Strukturelle Änderungen

Die bedeutendsten Änderungen, welche sich durch die Revision ergeben sind die folgenden:

• Die Abschnitte Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei und Fischzucht wurden im Abschnitt A zusammengefasst
• Eigener Abschnitt für Information und Kommunikation
• Eigener Abschnitt für Wasserversorgung, Abwasser und Abfall
• Eigene Abteilung für die Herstellung von Pharmazeutika
• Eigene Abteilung für die Herstellung von Möbeln
• Eigene Abteilung für Reparaturen und Instandhaltung
• Herausnahme von Recycling aus der Sachgütererzeugung
• Separate Erfassung von unterstützenden Dienstleistungen in einigen Sachgüterbereichen (z.B. Bergbau)
• Eigener Abschnitt für professionelle, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten (unternehmensbezogene Dienstleistungen)
• Neuer Abschnitt für die Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (v. a. Dienstleistungen zur Überlassung von Gütern sowie Arbeitskräften)
• Eigener Abschnitt für Kultur und Unterhaltung
• Trennung von Hoch- und Tiefbau auf Abteilungsebene
• Zuordnung der Reparatur von Gebrauchsgütern dem Abschnitt S (sonstige Dienstleistungen) statt wie bisher dem Abschnitt G (Handel)
• Herausnahme des Veterinärwesens aus dem Gesundheits- und Sozialwesen
• Deutliche Reduktion des Umfanges des Abschnittes Grundstücks- und Wohungswesen L (bisher K - Realitätenwesen)

 

Gliederung und Kodierung der nationalen Aktivitätsklassifikation

Durch die ÖNACE 2008 wurde das Klassifikationsschema grundlegend verändert, wie ein Vergleich der neuen mit der bisherigen Systematik veranschaulicht:

GLIEDERUNG ÖNACE 2003 ÖNACE 2008
ANZAHL
Abschnitt 17 21
Unterabschnitt 31 -
Abteilung 62 88
Gruppe 224 272
Klasse 514 615
Unterklasse 722 701

Tabelle 1: Gliederungsebenen der ÖNACE 2003 und ÖNACE 2008
Quelle: Statistik Austria

Tabelle 1 zeigt, dass künftig mehr Daten in höheren Aggregationsebenen zur Verfügung stehen werden. Dies resultiert einerseits aus den zusätzlichen 4 Abschnitten, der gestiegenen Abteilungs- und Gruppenanzahl und der um 101 gestiegenen Anzahl von Klassen. Weiters ist anzumerken, dass die Gliederungsebene der Unterabschnitte gestrichen wurde und künftig ausschließlich einstellige Unterklassen bestehen, was den gesamten Kodierungsschlüssel auf 5 Stellen reduziert. Die Gesamtzahl der österreichischen Unterklassen ist um 21 gesunken, was vorwiegend aus einer Streichung nicht mehr relevanter Untergliederungen des Wirtschaftslebens folgt, sowie dem Umstand, dass erfreulicherweise etliche Unterklassen nun bereits Klassen der europäischen NACE Rev. 2 darstellen. Allgemein lässt sich feststellen, dass die nationale Aktivitätsklassifikation 86 zusätzliche Untergliederungen in Form von national definierten Unterklassen gegenüber der europäischen NACE aufweist, was aus der Differenz zwischen der Anzahl von Unterklassen und Klassen folgt.

Zur Veranschaulichung des Kodierungsschemas zeigt die folgende Übersicht am Beispiel des Großhandels mit Papier und Pappe die Schlüsselzuordnungen auf Abschnitts-, Abteilungs-, Gruppen-, Klassen- und Unterklassenebene:

ABSCHNITT Abteilung Gruppe Klasse Unterklasse Titel
G         ABSCHNITT G – HANDEL; INSTANDHALTUNG UND REPARATUR VON KRAFTFAHRZEUGEN
  46       Großhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen)
    46.7     Sonstiger spezialisierter Großhandel
      46.76   Großhandel mit sonstigen Halbwaren
        46.76-1 Großhandel mit Papier und Pappe

Tabelle 2: Kodierungssystem ÖNACE 2008 am Beispiel des Großhandels mit Papier und Pappe

 

Klassifikationsmitteilung

Allen in Österreich tätigen Unternehmen wird von Statistik Austria gemäß § 21 Bundesstatistikgesetz (BStatG 2000) eine Haupttätigkeit zugeordnet. Nachdem Unternehmen im Regelfall mehrere Aktivitäten ausüben, erfolgt dies durch eine schwerpunktmäßige Zuordnung.

Dem Unternehmen wird der ihm zugewiesene ÖNACE Code im Anschluss durch die Klassifikationsmitteilung postalisch bekanntgegeben. Mittels des beigelegten Antwortbogens sollte vom Unternehmen die korrekte ÖNACE Zuordnung bestätigt werden bzw. muss innerhalb von vier Wochen bei einer fehlerhaften Klassifizierung eine Änderung, inkl. näherer Angaben über die tatsächlich durchgeführten Tätigkeiten, beantragt werden. Durch die Umstellung der Zuordnung aller Unternehmen auf die ÖNACE 2008 werden im Frühjahr 2008 ca. 350.000 Klassifikationsmitteilungen versandt.

Jedes Unternehmen sollte die erhaltene Klassifikationsmitteilung bei den Geschäftsunterlagen aufbewahren, da die ÖNACE Zuordnung, neben den einhergehenden statistischen Erhebungen, auch in anderen Bereichen relevant ist. So liegt z.B.: nach Neugründungsförderungsgesetz (NEUFÖG) keine Neugründung vor, sofern der Inhaber innerhalb der letzten 15 Jahre bereits ein Unternehmen betrieben hat, dass der gleichen ÖNACE Klasse zugeordnet war. Auch in zahlreichen anderen administrativen Belangen, wie Förderungen und öffentliche Ausschreibungen, ist die Kenntnis des ÖNACE Codes oftmals erforderlich.

Sollten Sie Ihre Klassifikationsmitteilung verlegt haben und Ihren ÖNACE Code benötigen, wenden Sie sich bitte an Statistik Austria (Hotline 01/71128-8686)

 

Weiterführende Informationen


Klassifikationsdatenbank der Statistik Austria

Informationsseite von Statistik Austria zur Klassifikationsmitteilung

Homepage der Vereinten Nationen zu Klassifikationen

Homepage von Eurostat (Statistisches Amt der Europäischen Kommission) zur NACE Rev. 2

Rechtliche Grundlagen zu den Klassifikationen Exklusiv für Mitglieder


 

Downloads


Informationsfolder ÖNACE 2008

Informationsbroschüre ÖNACE 2008

Klassifikationsmitteilung (Muster)

Struktur ÖNACE 2008

EU-Verordnung 1893/2006 (NACE Rev. 2 am 1.1.2008 in Kraft getreten)

EU-Verordnung 696/1993 (Definition Statistische Einheiten-Unternehmen, etc.)