Europatag von WKÖ und AMS zieht Vergleich über Krisenbekämpfung in Deutschland, Österreich und Schweden – Hundstorfer: Entspannung am Arbeitsmarkt nicht vor 2011
„Europa muss mehr sein als die Addition von 27 Ländern, es muss gerade jetzt für Werte, Partnerschaft und Nachhaltigkeit stehen. In einer schwierigen Zeit, wie wir sie in den vergangenen Monaten erlebt haben, ist es umso wichtiger, von den erfolgreichsten Ländern zu lernen“, sagte Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), am Europatag der WKÖ zum Thema „Arbeitsmärkte in Europa – Lernen von der Besten“, der in Kooperation mit dem Arbeitsmarktservice Österreich heute, Donnerstag, im Haus der Wirtschaft stattfindet.
Nach dem Ende der Rezession gehe es nun um eine Wachstumsbeschleunigung. In dieser Hinsicht gebe es viele Beispiele, an denen Österreich sich orientieren könne. „Lernen können wir etwa, dass der von der Wirtschaftskammer vorgeschlagene Handwerkerbonus in Deutschland und Schweden bereits realisiert wurde und so gut funktioniert, dass die deutsche Regierung ihn sogar ausgebaut hat“, betonte Leitl. Lernen könne Österreich von Deutschland aber auch in puncto Mobilität der Arbeitnehmer. „So haben 2007 knapp 7.300 Deutsche eine Arbeit im Tourismus in Westösterreich aufgenommen, aber nur 340 Wiener, obwohl die Wiener Arbeitslosenzahlen alles andere als rosig sind.“ 2008 waren es gemäß AMS 19.620 Deutsche und 1323 Wiener.
Österreich schneidet bei der Arbeitslosigkeit im EU-Vergleich deutlich besser ab
Schweden sei etwa in Bezug auf das Kinderbetreuungsangebot zwecks besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorbildlich und schaffe es zudem, dass ältere Arbeitnehmer deutlich länger im Erwerbsleben bleiben als in Österreich. Hingegen schneide Österreich etwa bei der Arbeitslosigkeit und vor allem auch der Jugendarbeitslosigkeit deutlich besser ab als die meisten anderen EU-Länder.
AMS-Vorstand Johannes Kopf verwies in seiner Begrüßung auf die lange österreichische Tradition, von anderen zu lernen. „Die aktive Arbeitsmarktpolitik, also dass es nicht darum geht, Arbeitslosengeld auszuzahlen, sondern auch gezielt zu fördern und zu beraten, haben wir uns schon in den 1960er Jahren von den Schweden abgeschaut“, betonte Kopf. Deutschland war Vorbild bei der Ausgliederung der Arbeitsmarktverwaltung. Hingegen sei das österreichische Arbeitsmarktservice für viele Länder in Mittel- und Osteuropa Vorbild. Zugleich mahnte er: „Lernen kann man aber nicht nur von den Besten, sondern auch von schlechten Beispielen. Und um von den Besten zu lernen, muss man zuerst wissen, wer sie sind.“ Das AMS betreibe deshalb seit 2001 ein von der EU kofinanziertes Best Practice-Projekt, bei dem Vorzeigebeispiele für eine besonders erfolgreiche Arbeitsmarktpolitik eruiert werden.
Keine dramatische Verlängerung bei der Vermittlungsdauer von Arbeitslosen
Sozialminister Rudolf Hundstorfer stellte fest, dass es Österreich mit einem Bündel an Maßnahmen zur Belebung der Konjunktur und zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes gelungen sei, den Anstieg der Arbeitslosigkeit vergleichsweise gering zu halten, was auch von der EU-Kommission bestätigt wurde. „Der Arbeitsmarkt ist trotz Krise dynamisch geblieben und es hat auch keine dramatische Verlängerung bei der Vermittlungsdauer von Arbeitslosen gegeben.“ So konnten heuer bis Ende Oktober immerhin 490.000 Menschen ein neuer Job vermittelt werden. Zugleich habe sich die Regierung besonders dem Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit verschrieben. „Wir haben uns ganz besonders massiv für die 15-, 16-, und 17-Jährigen stark gemacht“, sagte der Sozialminister. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund gebe es heuer fast genauso viele Lehrverträge wie im vergangenen Jahr.
Zugleich warnte der Minister vor einer allzu raschen Entwarnung, weshalb 2010 weitere Maßnahmen notwendig seien. „Wir haben einen Dreh beim BIP, aber noch kein Ende der Probleme.“ Manche Jobs, etwa im Automotiv-Bereich und in manchen Industrien, seien wohl für immer verloren. Hier gelte es, Antworten etwa in Form von Qualifizierung und neuen Berufsausbildungen zu geben. „Eine echte Entspannung“, so Hundstorfer, „sehe ich als grundsätzlich optimistischer Mensch nicht vor 2011.“ (SR)
Rückfragen:
Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit
Dr. Martin Gleitsmann
Tel.: T:+43 (0)5 90 900 4286
Mail: sp@wko.at
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