Streit ums Plastiksackerl: Wirtschaft für tragbare Lösungen

12.12.2012

Aichinger: Verbote völlig unangebracht - Schwarzer: Kunststoffrecycling in Österreich auf hohem Niveau

Rund um das Plastiksackerl ist in jüngster Zeit eine hitzige Diskussion ausgebrochen. Es gab polemische Vergleiche mit der Situation in Italien, das Plastiksackerl wurde als Umweltsünder schlechthin abgestempelt, Rufe nach Verboten wurden laut.

 
Doch wie sieht die Lage in Österreich tatsächlich aus? Die Wirtschaftskammer Österreich möchte zur Versachlichung der Debatte beitragen und hat Daten und Fakten zusammengetragen. Die Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik in der WKÖ, die Bundessparten Handel sowie Gewerbe und Handwerk haben daher gemeinsam einen Folder über die „Wahrheit des Plastiksackerls“ zusammengestellt. Die Information richtet sich an Journalisten, Politiker und sonstige Multiplikatoren.
 
Packstoffneutralität und Wahlfreiheit des Konsumenten
 
Eine bestimmte Tragehilfe (also auch das Plastiksackerl) soll weder diskriminiert noch forciert werden. „Wir halten an den Grundsätzen der Packstoffneutralität und der Wahlfreiheit des Konsumenten fest“, stellt Dr. Fritz Aichinger, Obmann der Bundessparte Handel in der WKÖ, klar. Der Handel hat schon in der Vergangenheit bewiesen, dass er ohne gesetzliche Vorgaben innovative Lösungen im Sinne der Umwelt und des Verbrauchers umsetzt. „Daher sind Verbote völlig unangebracht, da sie die Kreativität zum Teil eher hemmen, als vorantreiben“, so Aichinger.
 
„Der Kunde ist König“ lautet die Devise der Wirtschaft. Deshalb kann der Verbraucher unter einer Vielzahl von Angeboten das ihm passend erscheinende auswählen: Sehr viele Menschen bringen von zu Hause dauerhafte Tragetaschen mit, die nach dem Gebrauch nicht weggeworfen werden. Für die „Zwischendurch-Einkäufer“ bieten die Handelsbetriebe Tragetaschen aus mehreren Materialien an, neben Kunststoff- sind auch Papier- und Textilsackerl verfügbar. Diese werden überwiegend nicht kostenlos abgegeben. Dadurch wird ein sparsamer und bewusster Einsatz gefördert.
 
„Von einem verschwenderischen Umgang mit Plastiksackerl kann in Österreich nicht die Rede sein, ebenso wenig wie von einer nennenswerten Umweltverschmutzung dadurch“, erläutert Univ. Doz. Dr. Mag. Stephan Schwarzer, Leiter der Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik in der WKÖ. Der gesamte heimische Hausmüll hat ein Volumen von rund 3,8 Millionen Tonnen pro Jahr. Plastiksackerl haben davon einen Anteil von lediglich rund 0,2 Prozent.
 
Vorschläge, Kunststofftragetaschen zu verbannen, seien durch nichts gerechtfertigt. In Österreich gebe es sowohl Kunststoffrecycling als auch energetische Nutzung auf hohem Niveau. Plastiksackerl landen in Österreich nicht auf Deponien, wie manchmal kolportiert, denn die Deponierung ist hierzulande verboten. Mit einer Verwertungsrate von 96 Prozent sind die Österreicher überdies Weltmeister bei der Mülltrennung.
 
Schwarzer: „Weder liegt eine Erdölverschwendung vor, noch belasten die Sackerl Umwelt und Natur. Nur ein verschwindend kleiner Teil des Erdöls wird für Taschen verwendet, die eine Mehrfachverwendung erlauben und am Schluss durch Verwertung in den Materialkreislauf zurückgeführt oder energetisch genutzt werden - wie das Erdöl selbst ja auch“.
 
Die Vorteile des Plastiksackerls sind unübersehbar:
 
  • Mehrfachverwendung als Tragtasche
  • Verwendung als Müllsack
  • Verwendung im Zuge von Recycling
  • Verwendung als Brennstoff

Die Wirtschaft wird auch bei der künftigen Weiterentwicklung ihrer Angebote auf Ressourceneffizienz setzen und den Konsumenten in den Mittelpunkt stellen. Das bedeutet einerseits, dass es sinnvoll ist, wenn Konsumenten ihre Tragehilfen mehrfach verwenden. Andererseits ist auch die Gewinnung von Rezyklaten aus gebrauchten Kunststofftragetaschen ein ökologisch wünschenswerter Beitrag zu einer Quasi-Wiederverwendung. „In Anbetracht der Fakten ist es also völlig unangebracht, zur Verbannung der Plastiksackerl aus unserem Leben aufzurufen“, so Aichinger und Schwarzer unisono.

Der Folder steht in druckfähiger Auflösung untenstehend zum Download bereit.

 
Rückfragenhinweise:
Wirtschaftskammer Österreich
 
Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik
Univ. Doz. Dr. Stephan Schwarzer
Tel.: 05 90 900-4195
E-Mail: up@wko.at
 
Bundessparte Handel
Dr. Roman Seeliger
Tel.: 05 90 900-3347
E-Mail: bsh@wko.at

 

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