Konjunktur gebremst, aber kein Stillstand

05.01.2012
Mag. Helmut Eymannsberger

Gegenwind nach gutem Halbjahr 2011

   

 

Nach einem guten ersten Halbjahr kommt jetzt der Konjunkturfluss leicht ins Stocken. Die Indikatoren zeigen etwas nach unten, eine Krise oder gar Rezession zeichnet sich in der Salzburger Wirtschaft für 2012 vorerst nicht ab. Das ist die Quintessenz der bereits zum zehnten Mal halbjährlich durchgeführten Konjunkturumfrage der Wirtschaftskammer Salzburg, die diesmal 134 Unternehmen aus allen Bereichen der Salzburger Wirtschaft erfasst hat.   

Mag. Helmut Eymannsberger, Leiter der Stabstelle Wirtschafts- und Standortpolitik, beurteilt die Situation auf Basis der Umfrage und der aktuellen Konjunkturgespräche der WKS in der Vorwoche keinesfalls negativ: „Exportabhängige Branchen, wie die Industrie, befinden sich in einer Phase des Abwartens, auch wenn die derzeitige Geschäftslage mit 86,5% gut bzw. zufriedenstellend bewertet wird. Die regionale Wirtschaft ist nach einem erfolgreichen ersten Halbjahr 2011 gefestigt und wird in Zukunft verstärkt auf immer kurzfristiger einlangende Auftragseingänge reagieren müssen. Obwohl zuletzt in manchen Branchen zum Teil von Auftragsrückgängen die Rede war und wenn nicht außerordentliche Verwerfungen auf internationaler Ebene eintreten, wird Salzburgs Wirtschaft auch 2012 wachsen.“ Die Daten bis August 2011 zeigen, dass bis auf die Bauwirtschaft immerhin alle Branchen Zuwachsraten verzeichnen konnten. „Die konjunkturelle ‚Delle‘ hat sich erst ab Herbst bemerkbar gemacht“, ergänzt Mag. Brigitte Prochaska, Statistikerin der WKS,  die das umfangreiche Datenmaterial ausgewertet hat. 

Derzeit überwiegend Zufriedenheit

Generell bezeichnen die befragten Unternehmen die aktuelle Geschäftslage im November 2011 zu 41,4% (Mai 2011 37,6%) als gut und 45,1% der Betriebe empfinden sie als zufriedenstellend (Mai 2011: 52,5%). Somit ist die derzeitige Geschäftslage noch immer weit im positiven Bereich, auch wenn sich der Anteil der Betriebe mit schlechter Geschäftslage seit Mai von 9,9% auf 13,5% erhöht hat.  Bei den Erwartungen zur Geschäftsentwicklung im nächsten Halbjahr werden die ersten konjunkturellen Bremspuren sichtbar. Mit einem Anteil von 14,3% hat sich die positive Haltung für die kommenden sechs Monate halbiert, denn im Mai 2011 waren die Erwartungen von 28,6% der Betriebe gut. Für 70% der Unternehmen wird die Geschäftslage saisonüblich verlaufen, dieser Wert ist seit Mai 2011 gestiegen (61,6%). Bei den längerfristigen Erwartungen zeichnen sich jedenfalls Wolken am Horizont ab: 10,7%  der Salzburger Unternehmen rechnen zwar mit einer sich verbessernden Situation (23,5% im Mai 2011) und 64,1% mit eine saisonübliche Geschäftslage, aber ein Viertel der Unternehmen (25,2%) sieht eine sich verschlechternde wirtschaftliche Entwicklung. Bei diesen Unternehmen handelt es sich vorwiegen um Betriebe der Bauindustrie.

Auftragseingänge gebremst

Die aktuelle Auftragssituation der Salzburger Wirtschaft hat sich seit Mai 2011 geringfügig gewandelt. So wird der derzeitige Auftragsstand von 38,9% der Betriebe als gut bezeichnet (Mai: 48,5%) und 45,8% (Mai 2011: 38,6%) zeigen sich mit der Auftragslage zufrieden. Der Anteil jener, die eine schlechte Auftragslage melden, hat sich von 12,9% bereits geringfügig auf 15,3% erhöht. Die Auftragseingänge sind bei der Mehrheit von 57,3% der Unternehmen gleichbleibend, im Mai 2011 lag dieser Wert aber noch bei 72,1%. Allerdings: 28,7% (Mai 2011: 11,4%) stellen rückläufige Auftragseingänge fest.

78% mit Ertragslage zufrieden

Salzburgs Unternehmer sind zu 52,2% mit der Ertragslage zufrieden. Zudem bezeichnen 25,8% der Betriebe die derzeitige Ertragslage als gut (Mai 2011: 30,7%). Die Zahl jener, die die aktuelle Ertragssituation als schlecht beurteilen, ist allerdings von 16,4% (Mai 2011) auf 22,0% gestiegen. Dass die Ertragslage in den kommenden sechs Monaten schlechter wird, glauben 27,5% der Betriebe. Dementsprechend nimmt der Anteil jener mit positiver Erwartung von 31% (Mai 2011) auf 14,5% ab, 58% gehen – etwa gleichbleibend wie im Mai (54%) von einer befriedigenden Ertragserwartung (58%) aus.

Fazit: Die Zahl der Betriebe, die Konjunkturwolken am Horizont heraufziehen sieht, wird mehr, der Anteil der Optimisten etwas weniger, die überwiegende Mehrheit der Salzburger Wirtschaft geht von einer stabil zufriedenstellenden Entwicklung aus. Daraus zieht Helmut Eymannsberger den Schluss, dass von einer Krise nicht gesprochen werden darf. Allerdings sei die wirtschaftliche Situation in Europa eher fragil, so dass kaum längerfristige Planungen und Investitionen getätigt werden. „Das Reagieren auf kurzfristig eintreffende Aufträge und die damit einhergehende Flexibilität am Arbeitsmarkt werden die Herausforderungen der nächsten Monate darstellen“. Insgesamt gilt aber für den WKS-Konjunkturexperten: „Trotz einer Delle ist Salzburgs Wirtschaft gut unterwegs“.