Studie: Internet-Einzelhandel 2011

05.03.2012
Bundessparte Handel

WKÖ-Lorentschitsch: "Immer mehr Einzelhändler in Österreich verkaufen ihre Waren via Internet und immer mehr Konsumenten kaufen online ein"

  • Online-Einzelhandel - ausgehend von niedrigem Niveau - mit dynamischer Entwicklung: mehr Online-Shops, mehr Käufer/-innen
  • Trotz niedrigem Anteil am gesamten Einzelhandelsumsatz: Der Internet-Einzelhandel (und das Internet für den Einzelhandel) gewinnt an Bedeutung
  • Bücher und Textilien meistgekaufte Produkte im WWW, 1.800 Euro/Jahr durchschnittliches Budget für Internet-Shopping
  • Handlungsbedarf für den Handel, denn: Angebot bleibt hinter Nachfrage zurück
  • Handelsobfrau appeliert: "Keine Benachteiligung österreichischer Händler gegenüber ausländischen Online-Anbietern!"

„Immer mehr Einzelhändler in Österreich verkaufen ihre Waren via Internet und immer mehr Konsumenten kaufen online ein“ – so bringt Handelsobfrau Bettina Lorentschitsch die Ergebnisse der aktuellen Studie „Internet-Einzelhandel in Österreich“ auf den Punkt. Erhebung und Analyse wurden im Auftrag der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und mit Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend von der KMU Forschung Austria durchgeführt.

Im Folgenden sind die Ergebnisse zu finden, die u.a. Antwort geben auf die Fragen nach Anzahl der Online-Angebote des Einzelhandels/Anzahl der Webshops, dem Umsatz im Internet-Einzelhandel, nach der Entwicklung in den vergangenen Jahren sowie auf „Wie viele User nutzen Internet-Shoppingangebote und wozu?", „Wie viele User informieren sich bloß im WWW, wie viele kaufen?“ und „Welche sind die meist nachgefragten Warengruppen?“

Die gesamte Studie „Internet-Einzelhandel in Österreich“ sowie eine Kurzfassung davon u.v.a.m. stehen Interessierten im Downloadbereich am Ende dieser Seite zur Verfügung.

I.) Online-Einzelhandel mit dynamischer Entwicklung, ausgehend von niedrigem Niveau: mehr Online-Shops, mehr Käufer/-innen

Die Erhebungen der KMU Forschung Austria im Auftrag der WKÖ-Bundessparte Handel zeigen ein sehr dynamisches Wachstum im Internet-Einzelhandel in/aus Österreich: Immer mehr Einzelhändlerinnen und –händler verkaufen ihre Waren via Internet und immer mehr Konsumenten kaufen online ein.

In Zahlen: Die Analyse der Angebotsseite des Internet-Einzelhandels zeigen, dass von 39.000 Einzelhandelsunternehmen in ganz Österreich 80 % über einen Internetzugang und 50 % über eine eigene Website verfügen. 15 % verkaufen über diese Website auch ihre Waren. Das macht 5.700 rot-weiß-rote Online-Shops.

II.) Trotz niedrigem Anteil am gesamten Einzelhandelsumsatz: Der Internet-Einzelhandel (& das Internet für den Einzelhandel) gewinnt an Bedeutung

Mit diesen wurden 2010 Umsätze in der Höhe von 1,9 Milliarden Euro erwirtschaftet - was 3,6 % des gesamten Einzelhandelsvolumens entspricht.

In der Zeitreihe betrachtet, gab es im Vergleichsjahr 2006 3.200 Online-Shops im Internet-Einzelhandel, mit denen ein Netto-Jahresumsatz von mehr als 600 Millionen Euro erwirtschaftet wurde. D.h.: Die Zahl der Online-Shops ist um 75 % gestiegen, die damit generierten Umsätze haben sich verdreifacht.

III.) Computer- & Internet-Nutzung (Das WWW als Informationsmedium und/oder Einkaufsort):

Ein ähnliches Bild in Sachen dynamischer Entwicklung zeigt sich mit Blick auf die Konsument/inn/en:

78 % bzw. 4,9 Mio. Österreicher/-innen der österreichischen Bevölkerung zwischen 16 und 74 Jahre - das sind insgesamt 6,3 Mio. Menschen - verwenden einen Computer.

Nahezu alle Computerbesitzer – nämlich 75 % oder 4,8 Mio. Österreicher/-innen - nutzen auch das Internet.

59 % der Österreicher/-innen im Alter zwischen 16 und 74 Jahren verwenden das Internet zum „Finden von Informationen über Waren oder Dienstleistungen“, 39 % oder 2,5 Mio. aller Österreicher/-innen kaufen tatsächlich Einzelhandelswaren im WWW ein.

IV.) Wie oft & was wird gerne im Internet eingekauft? Und wie viel Budget steht dafür zur Verfügung?

Durchschnittlich bestellen die Internet-Käufer/-innen 15 x pro Jahr Einzelhandelswaren aus 5 verschiedenen Produktgruppen:

  1. Nach Anzahl der verkauften Produkte betrachtet sind Bücher die am häufigsten im Internet-Einzelhandel gekauften Waren (gefolgt von Bekleidung/Textilien): 57 % der Internet-Käufer/-innen haben 2010/2011 im Zeitraum von 12 Monaten Bücher im Internet gekauft - das entspricht 23 % der österreichischen Bevölkerung (16 – 74 Jahre).
     
  2.  Nach Umsatz betrachtet: Da entfällt der größte Anteil an den Ausgaben im Internet-Einzelhandel mit 19 % oder schätzungsweise 840 Millionen Euro auf Bekleidung/Textilien. Im Vergleichszeitraum 2006/2007 lag noch die Warengruppe Elektrogeräte an 1. Stelle.
     
  3.  Die jährlichen Ausgaben im Internet-Einzelhandel (bei österreichischen und internationalen Anbietern) haben sich innerhalb von 4 Jahren verdreifacht, nämlich von 1,5 Milliarden Euro im Zeitraum 2006/2007 auf 4,5 Milliarden Euro im Zeitraum 2010/11.
     
  4.  Im Durchschnitt wendet ein/-e Internet-Käufer/-in pro Jahr insgesamt 1.800 Euro für Einkäufe im Internet-Einzelhandel auf. Differenziert nach Altersgruppen zeigt sich, dass mit zunehmendem Alter auch die durchschnittlichen Jahresausgaben im Internet-Einzelhandel ansteigen. Besonders ausgabenfreudig zeigt sich die Altersgruppe der 45- bis 54-Jährigen, die im Durchschnitt 2.000 Euro ausgeben. 

V.) Handlungsbedarf für den Handel, denn: Das Angebot bleibt hinter der Nachfrage zurück

Die Bundessparte wird in Zukunft

a) verstärkt Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung bei Händlern starten (insbesondere Informationsveranstaltungen in den Bundesländern).

b) auf Defizite in der Gesetzgebung und im Vollzug hinweisen, die zu einer mehrfachen Benachteiligung österreichischer Händler gegenüber ausländischen Online-Anbietern führt: „Gerade im grenzüberschreitenden Online-Handel sind gleiche Wettbewerbsbedingungen und die Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen durch alle Anbieter von größter Bedeutung, damit keine ungerechtfertigten Wettbewerbsnachteile für die österreichischen Händler entstehen. Aus diesem Grund ist die Politik gefordert, beispielsweise unangemessen hohe Abgaben wie insbesondere die Urheberrechtsgebühren für diverse Produkte zu reduzieren und europaweit anzugleichen“, fordert Bundesspartenobfrau Lorentschitsch. Dazu kommt: „Auch durch den unterschiedlichen Grad des Vollzugs von EU-Vorgaben aus den umweltrechtlichen Verpflichtungen (insbesondere im Verpackungsbereich) sind österreichische Händler massiv benachteiligt. „Dagegen wird sich die Bundessparte Handel ebenfalls (weiterhin) stark machen“, so Lorentschitsch.

Weitere Informationen zum Dokument

Dieses Dokument wurde erstellt von BS Handel (Wirtschaftskammer Österreich).

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