Das Land möchte Geld für die Schuldnerberatung. Die WK geht lieber ihren eigenen Weg
Die Schuldnerberatung des Landes hat - wieder einmal - zu wenig Geld. Landeshauptmannstellvertreter Gschwentner fällt nichts Besseres ein, als dieses bei der Wirtschaftskammer einzutreiben. Mit fadenscheinigen Argumenten. Die WK Tirol dränge Menschen in die Selbstständigkeit. Auch gebe es keine Bereitschaft, sich an der Prävention von Insolvenzen zu beteiligen. Einige Medien schlagen in dieselbe Kerbe und üben sich, ohne Nachzudenken, in plumper Polemik.
Wirtschaftskammer begleitet Gründer
Doch Nachdenken würde sich lohnen. Dann würde man nämlich bemerken, dass die Wirtschaftskammer eine Menge Geld und Energie in die Beratung von Neugründern steckt, um neue Betriebe auf stabile Beine zu stellen. Allein im Jahr 2011 gab es mehr als 6.000 Gründungsberatungen und 15.000 Kundenkontakte. Mit diesen Zahlen liegt Tirol bundesweit an der Spitze und muss sich nicht vorwerfen lassen, seine Gründer zu vernachlässigen.
Vorbereitung und Prävention
Es ist eine ganz einfache Rechnung: Die Wirtschaftskammer kann das Geld nicht aus dem Hut zaubern und müsste, wenn sie Finanzen für die Schuldnerberatung locker macht, an anderer Stelle einsparen. Doch wir sind nicht bereit, Gründern und gestandenen WK-Mitgliedern unsere aufwendige Beratung in Rechts-, Steuer- und Förderfragen zu kürzen. Je besser ein Unternehmen vorbereitet ist, desto größer ist seine Chance, auf dem Markt zu bestehen. Das ist unser Zugang zu dieser Thematik: Wir setzen auf gründliche Vorbereitung und Prävention. Dass diese Anstrengungen Wirkung zeigen, lässt sich auch am Rückgang der Unternehmensinsolvenzen belegen.
Wirtschaft in die Schulen tragen
Prävention wäre übrigens auch an anderer Stelle notwendig: Mehr Wirtschaftsorientierung und Sensibilisierung im Umgang mit Geld in den Schulen würde dazu beitragen, Privatinsolvenzen zu verhindern. Die Tiroler Unternehmerinnen und Unternehmer leisten mit ihrem Steuern so hohe Beiträge an die öffentliche Hand, dass es auch verlangt werden kann, die Schuldnerberatung aus öffentlichen Mitteln zu bestreiten.
Unternehmer werden nicht in die Selbstständigkeit gedrängt
Womit wir abschließend bei einem weiteren Märchen angelangt sind: Der weitaus überwiegende Teil aller UnternehmerInnen wird nicht, wie immer wieder zu hören ist, in die Selbständigkeit gedrängt, sondern hatte diesen Schritt als fixen Teil der Lebensplanung vorgesehen. Hier glaube ich den Aussagen, die im Rahmen unserer Gründerumfragen getätigt wurden, jedenfalls wesentlich mehr als der ständigen Agitation der Arbeiterkammer, nach deren Lesart ohnehin praktisch jeder Unternehmer zwangsprivatisiert worden ist.
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