„Marktwirtschaft für die Zukunft“: Gemeinsame Tagung von WKS, Ifz, Ethik Initiative und FH Salzburg vermaß die „Konturen nachhaltigen Wirtschaftens“
Was ist notwendig, um eine „enkeltaugliche“, also nachhaltige Gesellschaft zu gestalten? Dieser Frage ging am Donnerstag, 12. 04., die Veranstaltung „Marktwirtschaft für die Zukunft“ in der FH Salzburg, Campus Urstein, nach. Top-Referenten suchten nach Antworten auf die Frage, wie denn die „ernste und eigentümliche Situation“ zu bewältigen wäre, in der wir stecken, wie Moderator Univ.-Prof. DDDr. Clemens Sedmak eingangs feststellte – eine Gesellschaft, die zunehmend unumkehrbare Tatsachen (Klimawandel, Fukushima) schaffe, die weder gesellschaftlich noch ökonomisch bewältigbar seien. „In schwierigen Situationen braucht es jedenfalls Klugheit“, bezog sich Sedmak auf Thomas von Aquin, der Klugheit mit Aufmerksamkeit, Umsichtigkeit, Langfristigkeit und der grundsätzlichen Frage gleichsetzt, worum es eigentlich zu gehen hätte in der Gesellschaft. „Wir dürfen die Spielräume für spätere Generationen nicht enger machen“, meinte Sedmak, der dafür auch persönliches ethisches Verhalten für notwendig hält: „Wir müssen den Klimawandel mit klugem Tun und Unternehmergeist bekämpfen, nicht mit ‚Nicht-tun‘ und selbst gewähltem Wachkoma!“
Den Unternehmergeist, genau gesagt die unterschätzte Rolle des Unternehmers in der Bewältigung von Krisen, rückte Prof. Dr. André Habisch in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Der Volkswirt und Theologe (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt) wandte sich mit Nachdruck gegen eine Wirtschaftsideologie der totalen Liberalisierung, die letztlich in der Finanzkrise gemündet habe. „Bis zum Zusammenbruch dieser Denkens galt Europa mit seiner Tradition der sozialen Marktwirtschaft als ein wenig zurückgeblieben“, erläuterte Habisch. Doch gerade die europäische Struktur einer unternehmergeführten, mittelständischen Wirtschaft mit ihrer institutionellen Verankerung im Wege von Kammern und dem Ausgleich in einer Sozialpartnerschaft habe viel schneller aus der Krise geführt als in anderen Ländern. „Im Zentrum steht dabei die wertegeleitete unternehmerische Persönlichkeit, die Entscheidungen fällt und persönlich durchträgt“, machte Habisch deutlich. Es sei die „praktische Klugheit und kontrollierte Risikobereitschaft“, welche die Unternehmerpersönlichkeit leite und die im deutlichen Gegensatz zur „spätrömischen Dekadenz“ der Finanzjongleure stehe, die ihre eigenen Unternehmen schädigten. Habisch will die Unternehmen generell noch stärker, als „Laboratorien der sozialen Innovation“ ins Spiel bringen. Dazu sei es freilich auch notwendig, dass in den Business Schools zukünftige Manager auch für einen professionellen Umgang mit gesellschaftlicher Verantwortung ausgebildet werden. Nicht zuletzt empfahl er mehr Selbstbewusstsein und Wertschätzung des europäischen Wegs der mittelständischen Wirtschaft und dem in Europa gewählten Weg des Korporatismus.
Wie es einem ergeht, der in einer ‚nicht-nachhaltigen‘ Gesellschaft wie der britischen versucht, ein Jahr lang ökologisch und ethisch korrekt zu leben, schilderte der Journalist und Buchautor Leo Hickman, der für den „Guardian“ minutiös Buch führte. Es sei eine „merkwürdige Erfahrung“ gewesen, sich sozusagen selbst von oben herab auf die Finger zu schauen, wie man denn konsumiere, Energie verbrauche, Müll entsorge, und dabei auf ganz konkrete Hindernisse stoße, wie etwas das tägliche Windelwaschen. Hickman, der auch nach seinem „Ethik-Jahr“ weiterhin versucht, sein Leben in Richtung Enkeltauglichkeit zu führen, sprach von einer lebensverändernden Erfahrung und von der Erkenntnis, dass es besser sei, die Menschen nicht für ihr ‚nicht-ökologisches‘ Verhalten zu bestrafen, sondern positive Anreize zu setzen.
Ein positives Beispiel, dass Klimaneutralität und Wirtschaft vereinbar sind, lieferte schließlich Bruder Josef Thomas Götz vom Benediktinerkloster St. Otillien in Bayern. Das Kloster selbst, ein „kleines Dorf“ und mittelständisches Unternehmen mit 160 Angestellten, 100 Brüdern, einer Schule, Gasthaus, Landwirtschaft und Handwerksbetrieben, hat durch umfangreiche Investitionen und Umstellung auf nachwachsende Rohstoffe statt Heizöl seine C02-Emissionen um 90% reduziert. „Viele Betriebe oder auch Dörfer haben ähnliche Probleme wie wir, wie ständig steigende Heizungskosten. Wir haben gezeigt, es geht auch anders, und das mit einer Amortisation von zehn Jahren“, betonte Bruder Götz, der nicht zu erwähnen vergaß, dass ein großer Teil der in St. Otillien eingesetzten neuen Technologien aus Österreich stamme.
Bildtext:
Bei der Veranstaltung „Marktwirtschaft für die Zukunft. Konturen nachhaltigen Wirtschaftens.“ (v. l.): Leo Hickman, Prof. Dr. André Habisch, KommR Julius Schmalz, Univ.-Prof. DDDr. Clemens Sedmak und Bruder Josef Thomas Götz OSB.
Foto: WKS/Neumayr
Rückfragen:
Dr. Kurt Oberholzer
Chefredakteur und Leiter der Stabstelle Öffentlichkeitsarbeit und Marketing der Wirtschaftskammer Salzburg
Tel. 0662/8888-346
E-Mail: koberholzer@wks.at
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- Psychologie: Univ.-Prof. Dr. Eva Jonas und Isabella Uhl
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