Nachdenken, wie es wirklich gemeint war. Konzipieren, wie Wirtschaft und Gesellschaft im Zusammenspiel funktionieren sollen. Neuen Ideen Raum geben. Das ist die Aufgabe der Gesprächsreihe „Wirtschaft weiter denken“ des „Zentrums für humane Marktwirtschaft“ der WKS. Diesmal im Schloss Urstein zu Gast: Prof. Dr. Andreas Suchanek, Ökonom und Wirtschaftsethiker, einer der gefragtesten Experten auf diesem Gebiet. Neben seiner Lehrtätigkeit an der Handelshochschule Leipzig (HHL), einer der führenden deutschen Hochschulen im Bereich Management, berät er im Rahmen des „Wittenberg-Zentrums für globale Ethik“ unter anderem auch große deutsche DAX-Unternehmen in Sachen Ethik und „Corporate Responsibility“.
Wenn es um das Beziehungsfeld Ethik und Marktwirtschaft geht, ist es überraschenderweise hilfreich, sich an Adam Smith (1723 bis 1790) zu wenden, den wohl einflussreichsten Denker in Sachen Markt und Gesellschaft. Sein „Wohlstand der Nationen“ (1776) ist nach wie vor Pflichtlektüre für angehende Ökonomen. Auf seiner Konzeption der „unsichtbaren Hand“, die alles eigennützige Handeln der Marktteilnehmer zum Wohlstand aller wandelt, beruht auch die heutige Konzeption von Marktwirtschaft. Doch wie kann der Meisterdenker des Wettbewerbs, des blinden Waltens der Marktkräfte, in Sachen Ethik hilfreich sein? Adam Smith werde sowohl reduziert als auch missverstanden, betonte Suchanek. Der schottische Ökonom und Aufklärer, von Beruf eigentlich Moralphilosoph, lieferte ausdrücklich nicht die Blaupause für den „Homo oeconomicus“, der nur im Eigennutz versinke. Smith habe vielmehr ein sehr realistisches Bild des Menschen gezeichnet.
Zwar sei dieser von seinem Eigeninteresse geleitet, doch sehe Smith die Menschen keinesfalls als (in heutigen Worten) „triviale Nutzenmaximierungsmaschinen“, sondern als letztlich moralisch handelnde Personen. Smith entwarf eine umfangreiche Theorie der moralischen Gefühle, in der mehrdimensionale Menschen handeln, zum Wohle aller und mit persönlichem Gefallen daran, dass es auch anderen gut gehe. Im Kern seiner Theorie verankerte Smith sogar die Tugend der Gerechtigkeit, die den Austausch der Güter kennzeichnen müsse.
Wer also übervorteile, betrüge, unethisch handle, könne sich nicht den Freibrief von Adam Smith holen, letztlich auch nicht von der Idee der Marktwirtschaft, meinte Suchanek.
Doch wie kann man im Sinne Adam Smiths „sittliche Qualität“ im Markt verankern, die offensichtlich – Stichwort Finanzmarktkrise – nicht überall zu finden ist? Andreas Suchanek hat dazu die „goldene Regel“ der Ethik („Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst“) in die Bedingungen moderner Wettbewerbsgesellschaften übersetzt: „Investiere in die Bedingungen der gesellschaftlichen Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil!“ Ethik und Markt kommen dann zusammen, wenn alle – Marktteilnehmer und Staat – in die für alle vorteilhaften Bedingungen investieren. Wenn also verantwortliches Handeln der Marktteilnehmer und geeignete Anreize dazu die „Spielzüge“ bestimmen. Wenn der Staat die „Spielregeln“ wie Rechtssicherheit, Ordnungspolitik, Wettbewerb und soziale und ökologische Standards garantiert. Und wenn ein „gemeinsames Spielverständnis“ herrscht, das heißt, die Spielregeln auch akzeptiert werden. Die gern von manchen Wirtschaftskapitänen uminterpretierte „goldene Regel“ – „Der Mann mit dem Gold macht die Regeln“ – sowie exzessives Lobbying gehören da freilich nicht dazu.
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