Die Beriebe machen ihren Job. Und die Politik?

04.05.2012
Dr. Jürgen Bodenseer, Präsident der Wirtschaftskammer Tirol

Das Pflänzchen Konjunktur wächst. Doch es braucht Dünger seitens der Politik, um zu gedeihen

   

Das neueste TOP-Tirol Konjunkturbarometer der Wirtschaftskammer Tirol zeigt: Die Tiroler Unter-nehmer schöpfen wieder Zuversicht. Erwartungen, Exporte und Personalplanung bewegen sich im Plus. Damit sind es wieder einmal die Unternehmer, die ihren Job erledigen, neue Mitarbeiter einstellen und vorsichtig zu investieren beginnen. Tirol ist am Weg zu einem neuen Be-schäftigtenrekord und festigt seinen Ruf als stabiler Wirtschaftsstandort.

Und was macht die Politik?

Sie hat uns mit dem Sparpaket eine Verschnaufpause verschafft, aber nicht mehr. Denn das Sparpaket hat die Probleme nicht gelöst, sondern nur aufgeschoben. Sie nimmt von allen Bevölkerungsgruppen ein bisschen, aber sie macht einen großen Bogen um wirkliche Neuerungen. Da und dort wurde nachgebessert...

Revolutionen sehen anders aus

Wenn nun nicht endlich echte Reformen folgen, dann haben wir in zwei Jahren das nächste Sparpaket. Es stellt sich allerdings die Frage, ob dieses der Mittelstand noch verkraften kann. Österreich gehört bereits jetzt zu den Staaten mit der höchsten Steuerlast. Wir liegen mit einer Abgaben- und Steuerbelastung von 48,4 Prozent deutlich über dem OECD-Schnitt von 35,3 Prozent. Österreich ist einer der sechs teuersten EU-Staaten innerhalb der EU-27. Damit ist Österreich keine Insel – schon gar keine Insel der Seligen.

Ungleiche Voraussetzungen  

Unsere Unternehmen stehen im globalisierten Wettbewerb und müssen tagtäglich um ihre Aufträge kämpfen – gegen eine Konkurrenz, die mit weit weniger Belastungen zu kämpfen haben. Wer das nicht versteht, der gefährdet den Fortbestand von Betrieben und Arbeitsplätzen im Land. Die Krise hat sich innerhalb der letzten Monate zwar verlangsamt, aber sie wurde nicht beseitigt. Auf den internationalen Finanzmärkten wird gezockt wie eh und je. Die Staaten häufen weiter Schulden an, als wäre nichts geschehen. Die Bürokratie feiert fröhliche Urständ, als hätte niemand eine Staats- und Verwaltungsreform ausgerufen.

Werte werden wichtiger

Vollkasko- und Wochenendmentalität zersetzen den Leistungswillen und die Selbstverantwortung. Aber eine Freizeit- und Spaßgesellschaft ohne Wertebasis ist zu wenig. Die aktuelle Krise kann auch ein Wink, ein Geschenk sein: Nachzudenken, sich zu ändern, Dinge NEU zu machen. Politik und Staat haben das noch nicht gelernt – die Unternehmer schon längst.

Sie wissen, dass ohne Investitionen, ohne Mut, ohne Kreativität, ohne Risiko, ohne Leistung von der Zukunft nichts zu erwarten ist. Der nächste Tag, das nächste Monat, das nächste Jahr hält für denjenigen, der aktiv auf die Welt zugeht, alles bereit. Derjenige, der darauf wartet, dass die Welt auf ihn zugeht, kann lange warten.