Salzburger Industrie fordert engagierte Standortpolitik

22.05.2012
Dr. Maximiliane Laserer

Anpassungsfähige Salzburger Industrie erreicht 2011 Produktionsniveau von vor der Krise - Kampf gegen den Fachkräftemangel verstärken

   

 

 

 

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„Die heimische Industrie hat ihre Hausaufgaben gemacht, die Politik ist nach wie vor säumig.“ So fasst der Obmann der Sparte Industrie, IV-Präsident Mag. Rudolf Zrost, die derzeitige Situation der heimischen Industrie zusammen. Das ging auch aus seiner Bilanz des vergangenen Jahres hervor, die er beim „10. Salzburger Industrietag“ im Eisenwerk Sulzau-Werfen zog. „Die Industrie hat sich nach zwei Quartalen mit einer gedämpften konjunkturellen Entwicklung wieder in eine stabile Position zurückgearbeitet. Dank der Anpassungsfähigkeit der Betriebe konnten Strukturen und Prozesse optimiert werden. Dadurch hat die Salzburger Industrie schon fast wieder das Produktionsniveau von vor der Krise erreicht“. Laut Statistik Austria hat die Salzburger Industrie im Vorjahr mit einem Plus von 6,6% einen Produktionswert von 6,5 Mrd. € erzielt. 2008 - also noch vor der Krise - lag der Wert bei 6,8 Mrd. €. Die Stimmung in den Betrieben sei auf alle Fälle optimistischer als zuletzt, weil sich die Auftragslage verbessert habe und auch für die kommenden Monate mit einer Steigerung der Auslastung und der Produktionskapazitäten zu rechnen sei.

Flexibilisierung der Arbeitszeit als Gebot der Stunde

 

Aber auch die Politik sei gefordert, entsprechende Rahmenbedingungen für die Absiche-rung des Industriestandortes zu schaffen. Angesichts der demografischen Entwicklung, des drohenden Fachkräftemangels und der schwankenden Auftragseingänge forderte Zrost eine dringende Flexibilisierung der Arbeitszeit. „Wir brauchen flexiblerer Arbeitszeitmodelle auf betrieblicher Ebene, um die wirtschaftliche Erholung nicht gleich wieder abzuwürgen und um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben. Dazu gehören aber auch maßvolle Kollektivvertragsabschlusse, damit wir auch künftig mit den Produktionsstätten im Osten, in Asien und Lateinamerika mithalten können“, bekräftige Zrost.

Die Beschäftigungssituation in der Salzburger Industrie ist weitgehend unverändert geblieben. Es ist zwar ein leichter Zuwachs bei den Industriejobs zu verzeichnen (+3,4%), Produktionsspitzen werden aber nach wie vor vorwiegend mit Leiharbeitern ausgeglichen. „Wir stehen zu unserer Stammbelegschaft und auch zur Lehrlingsausbildung. So wurden etwa im Vorjahr um 3,3% mehr Lehrlinge ausgebildet“, betonte Zrost.

Sparkurs beibehalten und Vertrauen in Industriestandort ausbauen

 

Als eine der Stärken der heimischen Industrie nannte Zrost neben der hohen Produktivität und den innovativen Produkten das große internationale Vertrauen in den Wirtschaftsstandort, vor allem in die wirtschaftliche und gesellschaftliche Stabilität. Dazu gehöre auch die Reduzierung der Staatsschulden. „Der Sparkurs muss unbedingt beibehalten und Strukturreformen in der Verwaltung angegangen werden. Die Schulden des Staats mit frisch gedrucktem Geld weginflationieren zu wollen ist eindeutig das falsche Signal“, erklärte Zrost. 

Kampf gegen den Fachkräftemangel

 

Investieren solle man vor allem in das Bildungssystem, das aufgrund des mangelnden Re-formwillens aufs Spiel gesetzt werde. Talente sollten schon wesentlich früher erkannt und gefördert werden. Mit der Aktion „Spürnasenecke“ will die Sparte Industrie genau das erreichen und bei Kindergartenkindern den Forscherdrang wecken. Auf der Berufsinformationsmesse (bim) wurde ein eigenes Industrieviertel errichtet, in dem Salzburg Industriebetriebe ihre Ausbildungsmöglichkeiten präsentieren und so die Jugendlichen neugierig auf eine Karriere in der Industrie machen können. Ab Herbst wird zudem eine Industrielandkarte im Internet unter www.salzburger-industrie.at zur Verfügung stehen, auf der Jobmöglichkeiten, Praktikums- und Lehrplätze zu finden sein werden. Damit sollen Betriebe von potenziellen Mitarbeitern, Lehrern und Kindergartenpädagogen leichter gefunden werden. 

Die WKS leistet wertvolle Hilfestellung für Betriebe

 

WKS-Direktor Dr. Johann Bachleitner forderte in seinem Statement die Politik zu einer Rückkehr zu einer soliden Standortpolitik auf. Im Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel verwies Bachleitner auf das umfassende Strategiepaket, dass die Wirtschaftskammer entwickelt hat und das unter dem Motto „Handeln statt nur fordern“ steht. Unter anderem nannte Bachleitner die WKS-Kampagne „Lehre: Sehr g’scheit!“, die Beratung für Schulab-brecher, eine Info-Tour durch Salzburgs Schulen, Technik-Schnupper-Tage im WIFI und in der BAUAkademie, Beratungen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund samt Hilfe bei der Lehrstellensuche, eine Weiterbildungsakademie für Ausbilder, das Technische AusbildungsZentrum in Mitterberghütten und die technischen Ausbildungsschwerpunkte an der Fachhochschule Salzburg. „Das und unsere anderen Maßnahmen in Bildung und Service sind konkrete Hilfestellung für unsere Betriebe und Elemente einer Salzburger Standortpolitik, die für die Vielfalt der Wirtschaft aber insbesondere auch für die Industrie betrieben werden“, unterstrich Bachleitner. 

Auf den Stärken des Standortes aufbauen – neue Entwicklungen zulassen

 

„Der Wirtschaftsstandort Salzburg muss in jeder Hinsicht für Qualität, für Fortschritt und für hervorragende Lebens- und Arbeitsbedingungen stehen. Wir wollen die beste und at-traktivste Region zum Leben und Arbeiten in Europa sein. Unsere Wirtschaftspolitik baut auf den Stärken des Standortes auf, ohne sich neuen Entwicklungen zu verschließen. Wir glauben an die Kraft und die Zukunft der mittleren Betriebe und der vielfach von Unter-nehmerfamilien geführten heimischen Industrie“, bringt Landeshauptmann-Stv. Dr. Wilfried Haslauer seine Vision für den Standort Salzburg auf den Punkt. „Nach den ersten bereits umgesetzten Maßnahmen des auch mit Beteiligung der Industrie erarbeiteten wirtschaftspolitischen Programmes werden in den nächsten Monaten weitere Maßnahmen folgen. Sie sollten die Salzburger Industriebetriebe im internationalen Wettbewerb in den Bereichen Standortrahmenbedingungen, Infrastruktur, Employer-Branding, Aus- und Weiterbildung, Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit sowie Forschung und Innovation bestmöglich unterstützen.

Auf der Jagd nach dem Glück

 

„Glück ist nicht gleich Glück“ stellte der Philosoph und Bildungswissenschaftler Prof. Konrad Paul Liessmann in seinem Gastvortrag am Salzburger Industrietag fest. Ein Zustand, der nur sehr schwer zu definieren sei, weil er kaum fassbar sei. Laut Liessmann bestehe in der heutigen Gesellschaft das Problem darin, dass Glück zu einem Normalzustand gemacht und daraus ein Recht auf Glück abgeleitet werde. Die Kehrseite dieser Tendenz sei es jedoch, dass daraus eine regelrechte Verpflichtung zum Glück entstehe. Eines ist für Liessmann jedoch klar: „Nur Glück zu haben, ist für ein glückliches Leben allemal zu wenig. Wer allerdings ständig vom Pech verfolgt wird, hat auch nichts zu lachen.“

 

Rückfragen:
Dr. Maximiliane Laserer
Geschäftsführerin der Sparte Industrie in der WKS

Tel.: 0662/8888-303
E-Mail: industrie@wks.at

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