Der "Österreich-Aufschlag" im Handel ist nichts weiter als ein Mythos

20.06.2012

Spartenobmann Peter Wartusch weist AK-Unterstellungen als haltlos und falsch zurück

   

„Wenn etwas falsch ist, dann wird es nicht wahr, nur weil man es immer wieder aus der Populismus-Schublade holt“, kontert Peter Wartusch, Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Tirol, auf Unterstellungen der Arbeiterkammer, der heimische Handel verdiene sich durch höhere Verkaufspreise im Vergleich zu Deutschland ein „Körberlgeld“. „Der sogenannte ‚Österreich-Aufschlag‘, also eine Gewinnspanne, die im österreichischen Handel höher wäre als in anderen Staaten, ist ein Mythos“, stellt Wartusch klar. Er räumt allerdings ein, dass es in Österreich strengere Rahmenbedingungen gibt, die zu höheren Preisen als in den Nachbarländern, insbesondere im Vergleich zu Deutschland, führen können. Dennoch sind viele Produkte in Österreich sogar billiger.
 

 

Wettbewerbsverzerrende Faktoren

Zu diesen ungünstigen Rahmenbedingungen zählen einerseits der verhältnismäßig kleine  österreichische Markt, der zu geringeren Rabatten führt und die kleinstrukturierte österreichische Produktion, welche den Fixkostenanteil pro Produkt hinaufschnellen lässt. Unterschiedliche Umsatzsteuersätze, wesentlich höhere Lohnnebenkosten (in Österreich 9 Prozentpunkte mehr als in Deutschland) und das Fehlen eines Mindesttariflohns für einen Teil der Belegschaft in Deutschland, seien weitere wettbewerbsverzerrende Faktoren. Außerdem ist der heimische Handel − und das gilt vor allem für Tirol − mit einem strengeren Verkehrs- und Umweltrecht (höhere Mauten – z.B. Unterinntalmaut, umfassendere Lkw-Fahrverbote, höhere Lizenzentgelte für die Entsorgung von Verpackungen) und mit topografischen Herausforderungen (höherer Transportaufwand) konfrontiert.
 

Handel gleicht benachteiligende Rahmenbedingungen aus 

„Dennoch gelingt es dem heimischen Handel, benachteiligende Rahmenbedingungen zum Teil auszugleichen und einige Produkte billiger als im Ausland anzubieten“, analysiert Wartusch die Situation. In diversen Untersuchungen und Vergleichen werde jedoch gerne die Vielzahl der Produkte ausgeblendet, die hierzulande günstiger als in den Nachbarländern zu bekommen sind. Bei manchen Preisbeobachtern ortet der Spartenobmann daher eine gewisse tendenzielle Unausgewogenheit. „Immerhin geben ausländische Konsumenten um eindrucksvolle 1,5 Mrd. Euro mehr in Österreich aus als österreichische Konsumenten im Ausland. Das ist sicher auch ein Indiz dafür, dass das Angebot im heimischen Handel stimmt“, meint Wartusch abschließend.

 

 

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