Neues App für Lehrlinge
2,5 Prozent mehr nomineller Umsatz, 1,4 Prozent mehr Beschäftigte – die Bilanz des steirischen Einzelhandels im ersten Halbjahr 2012 kann sich sehen lassen. „Der Handel hat einmal mehr bewiesen, dass eine gute Entwicklung auch in einem konjunkturell schwierigen Umfeld möglich ist“, resümiert Spartenobmann Gerhard Wohlmuth. Die Bedeutung für den Standort als Arbeitgeber wird dabei immer wichtiger: „Mehr als jeder fünfte Arbeitsplatz wird vom Handel bereitgestellt“, so Wohlmuth.
228 Milliarden Umsatz
Die neuesten Zahlen der KMU Forschung Austria stellen dem steirischen Handel ein gutes Zeugnis aus. Laut diesen ist im stationären Einzelhandel (exkl. Tankstellen) nämlich sowohl nominell (+2,5 %) als auch real (+0,4 %) im ersten Halbjahr 2012 ein Umsatzwachstum zu verzeichnen. „Die Entwicklung war damit besser als österreichweit“, betont Peter Voithofer von der KMU Forschung Austria. Die durchschnittliche Verkaufspreiserhöhung fiel mit 2,1 % wie schon im vergangenen Jahr niedriger aus, als die allgemeine Inflationsrate (2,4 % laut Statistik Austria).
Auffallend: Die Umsatzentwicklung war sowohl in der Steiermark als auch im Österreichdurchschnitt im ersten Quartal (zwei Verkaufstage mehr als im Vorjahr) besser als im zweiten Quartal (ein Verkaufstag weniger als im Vorjahr). „Dies ist u. a. auf die Vorverlegung des Ostergeschäfts von April in den März zurückzuführen. Nach Branchen betrachtet konnten in der Steiermark z. B. der Lebensmitteleinzelhandel, der Einzelhandel mit Elektrogeräten, Computern und Fotoartikeln, der Einzelhandel mit kosmetischen Artikeln sowie der Sportartikeleinzelhandel ein höheres nominelles Umsatzplus erzielen als der steirische Einzelhandel insgesamt“, so Voithofer. Bundesweit werden im Handel insgesamt 228 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. „Das ist ein Drittel der Erlöse der marktorientierten Wirtschaft und ein Fünftel des österreichischen BIP. Der Handel ist damit der Umsatz stärkste Wirtschaftsbereich“, sagt Gerhard Wohlmuth, Obmann der Sparte Handel in der WKO Steiermark.
Im gesamten steirischen Einzelhandel zeigen sich trotz der insgesamt positiven Umsatzentwicklung große Unterschiede zwischen den einzelnen Geschäften: 21 % der Standorte mit einem Plus von mehr als 10 % gegenüber dem Vorjahr stehen 19 % mit einem Minus von mehr als 10 % gegenüber. Insgesamt meldeten jedoch mehr Einzel-handelsgeschäfte nominelle Umsatzsteigerungen (47 %) als -rückgänge (40 %).
Anstieg der Einzelhandelsbeschäftigten in der Steiermark
Im ersten Halbjahr 2012 arbeiteten im Durchschnitt rund 44.300 unselbstständig Beschäftigte (inkl. geringfügig Beschäftigte) im steirischen Einzelhandel (inkl. Tankstellen, inkl. nicht-stationärer Einzelhandel), das sind um 1,4 % mehr als im Vorjahreshalbjahr. Die Anzahl der geringfügig Beschäftigten ist gegenüber dem ersten Halbjahr 2011 mit 1,0 % etwas weniger stark angestiegen als bei den übrigen Beschäftigtenverhältnissen (+1,4 %). Sowohl bei den unselbstständig Beschäftigten als auch bei den geringfügig Beschäftigten war das Wachstum – im Gegensatz zum Umsatzentwicklung – im zweiten Jahresviertel besser als im ersten. „Der Handel ist ein bedeutender Arbeitgeber in unserem Land. Mehr als jeder fünfte Arbeitsplatz wird vom Handel bereitgestellt“, betont Wohlmuth. „Angesichts der großen regionalen Wertschöpfung sollte man auch bewusster in der Steiermark einkaufen“, rät der Spartenobmann.
Alles in allem zählt der Handel 76.770 Beschäftigte, mehr als die Hälfte davon ist im Einzelhandel tätig. Die Mitarbeiter sind im Schnitt 37,1 Jahre alt und damit jünger als in anderen Branchen. Laut KMU Forschung Austria liegt das Durchschnittsalter in der marktorientierten Wirtschaft bei 37,8 Jahren. Auffallend im Handel ist auch der hohe Frauenanteil: 59,1 % Beschäftigten sind weiblich, im Einzelhandel sind es sogar 77,5 %.
Unternehmensdemografie im Handel
Der steirische Handel umfasste im Jahr 2011 insgesamt 9.530 Unternehmen. Ein Vergleich der letzten Jahre zeigt, dass es im Jahr 2009 zu einem Rückgang an Unternehmen gegenüber dem Vorjahr kam. Im Jahr 2010 waren wiederum um 1,9 % mehr Handelsunternehmen aktiv als 2009. Im Jahr 2011 ist die Anzahl der Unternehmen in der Folge um 2,6 % bzw. 250 Unternehmen zurückgegangen. Von den insgesamt 9.530 Handelsunternehmen zählten mehr als die Hälfte bzw. 5.400 Unternehmen zum Einzelhandel, der somit den wichtigsten Handelsbereich gemessen an der Zahl der Unternehmen darstellte. 27 % der Handelsunternehmen waren im Großhandel tätig, dies entsprach 2.560 Unternehmen. Weitere 1.570 Betriebe zählten zur Kfz-Wirtschaft. Zwischen 2010 und 2011 verzeichneten alle Handelsbereiche in der Steiermark eine sinkende Unternehmenszahl. Am höchsten fiel der prozentuelle Rückgang im Einzelhandel mit 3,7 % aus.
Eine Betrachtung des Gründungsgeschehens der letzten Jahre zeigt, dass zwischen 2005 und 2010 im Durchschnitt jährlich mehr als 700 neue Handelsunternehmen in der Steiermark gegründet wurden. Der als Gründungsquote bezeichnete Anteil der neu gegründeten Firmen an der Gesamtheit der Unternehmen belief sich im gleichen Zeitraum auf etwa 7 %. 58 % der Handelsunternehmen, die im Jahr 2005 gegründet wurden, waren 2010 noch aktiv.
Von den 720 im Jahr 2010 neu gegründeten Handelsunternehmen entfielen knapp die Hälfte bzw. 350 Unternehmen auf den Einzelhandel. Bei 36 % bzw. 260 Unternehmen handelte es sich um Großhandelsunternehmen, bei 16 % bzw. 110 Unternehmen um Unternehmen der Kfz-Wirtschaft. Die Gründungsquote war im Großhandel mit mehr als 8 % am höchsten und im Einzelhandel mit knapp 6 % am niedrigsten.
Erfolgreiche Mobilisierung gegen Umweltzone
Für Gerhard Wohlmuth war es alles in allem ein sehr erfolgreiches erstes halbes Jahr als Spartenobmann. „Mit dem eindeutigen Bürgervotum in der Frage der Umweltzone konnten wir in der Interessensvertretung einen schönen Erfolg einfahren“, verweist Wohlmuth auf die aktive Rolle der Sparte Handel. Mit mehr als 17.000 Unterschriften zeigte diese hier ihre Mobilisierungskraft. Insgesamt konnte die WKO Steiermark unter dem Titel „Ja zu sinnvollen Umweltmaßnahmen – Nein zur Umweltzone“ innerhalb von nur vier Wochen 51.000 Unterschriften sammeln.
Bürokratie-Abbau
Eine weitere Forderung Wohlmuths betrifft den Bürokratieabbau. „Es braucht endlich einen One-Stop-Shop, viele Verfahren dauern einfach zu lange“, bekrittelt Wohlmuth. Und damit spricht er den steirischen Unternehmern aus der Seele, wie eine aktuelle Umfrage des Instituts für Wirtschaft- und Standortentwicklung der WKO Steiermark zeigt. Von 995 Befragten klagten dabei nämlich 80 % über Probleme bei behördlichen Genehmigungs-verfahren. Wobei es große regionale Unterschiede gibt. Laut einer (anonymisierten) Verfahrensdauerstatistik des Landes Steiermark beträgt die Wartezeit hier je nach Bezirk zwischen 3,5 und 14 Wochen. Ein Dorn im Auge des Spartenobmanns: „Innovative Firmen müssen gefördert und nicht behindert werden“, so Wohlmuth. Vor allem dürfen Projekte nicht mutwillig gefährdet werden, spricht Wohlmuth das Problem der „Einspruchs-Willkür“ an. „Oft sind es völlig unbegründete Einsprüche, denen jegliche Sachlichkeit fehlt. Auf den Kosten der Verzögerung bleibt aber immer der Projektwerber sitzen. Hier fordere ich eine Änderung: Wenn ein Einspruch sich als völlig unbegründet herausstellt und abgewiesen wird, dann soll auch der Verlierer wie bei Gericht die Kosten tragen.“
Neues Lehrlings-App
Besonders stolz ist Wohlmuth auf die Realisierung von „App in den Handel“, dem österreichweit ersten umfassenden Lehrlings-App. „Dieses steht ab sofort kostenlos für Android und Apple zum Download bereit und beinhaltet nicht nur jede Menge Infos über die einzelnen Lehrberufen im Handel, sondern auch einen Talente-Check, eine Übersicht zu den einzelnen Lehrbetrieben, News und Events sowie eine Liste mit ganz persönlichen Vorteilen für die Auszubildenden“, berichtet Helmut Zaponig, Geschäftsführer der Sparte Handel in der WKO Steiermark. „Diese zeitgerechte Form der Kommunikation ist mir ein echtes Herzensanliegen, vor allem im Bereich der Lehre“, ergänzt Wohlmuth, auf dessen Initative „App in den Handel“ zurückgeht.
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