Agrarland Salzburg, Salzburger Landwirtschaft und Wirtschaftskammer Salzburg wollen bewussten Umgang mit Lebensmitteln fördern
Ein Fünftel aller Lebensmittel landet im Müll. Das sind 1,3 Milliarden Tonnen pro Jahr weltweit bzw. 96.000 Tonnen allein in Österreich. In Stadt und Land Salzburg werden jährlich 10.000 Tonnen weggeworfen. Diese alarmierenden Zahlen machen deutlich, wie nachlässig unsere Gesellschaft mit dem kostbaren Gut Lebensmittel umgeht. Agrarland Salzburg, Salzburger Landwirtschaft und Wirtschaftskammer Salzburg wollen daher mit einer Kampagne unter dem Titel „Lebensmittel sind kostbar“ bis Mitte November durch gezielte Aktionen den Wert der Lebensmittel und den bewussten Umgang damit ins Zentrum rücken. Mit der Aktion sollen die KonsumentInnen unter anderem über die tatsächliche Bedeutung des Mindesthaltbarkeitsdatums, optimale Lagerbedingungen von Lebensmitteln sowie über negative Auswirkungen der Überkonsumation informiert werden.
Leicht umzusetzende Tipps zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen
„Wir haben die Kampagne ‚Lebensmittel sind kostbar‘ so angelegt, dass wir neben der Bewusstseinsbildung auch praktische Tipps und Informationen für Einkauf, Lagerung und Verbrauch von Lebensmitteln geben. Uns ist es wichtig eine breite Diskussion in der Gesellschaft auszulösen. Die Unterstützung der Vertreter der Lebensmittelgewerbe ist hier besonders wertvoll, denn sie sind mit den Kunden im Gespräch. Einen wertvollen Beitrag zum Thema liefern auch die ‚Lebensmitteldetektive‘ des Vereins Spektrum, die für die Kinderzeitung ‚Plaudertasche‘ recherchiert haben, wie achtlos wir täglich mit dem kostbaren Gut Lebensmittel umgehen“, erklärt Agrarlandesrat Sepp Eisl.
Bei der Kampagne wird unter dem Motto „Kostbares schätzen!“ der Wert von Lebensmitteln ins Zentrum gerückt. Kooperiert wird deshalb auch mit den Salzburger Juwelieren, die Lebensmittel als Kostbarkeiten in ihren Geschäftsauslagen präsentieren. Folder mit praktischen Tipps, Plakate, Restl-Rezepte von Salzburgs Spitzenkoch Josef Illinger, gezielte
Pressearbeit und eine Medienkooperation runden die Marketingmaßnahmen ab.
Alarmierende Fakten
10% des Haushaltsmülls besteht aus essbaren Lebensmitteln, das heißt aus originalverpackten oder angebrochenen, nur teilweise verbrauchten Lebensmittel. Die Ausgaben für weggeworfene Lebensmittel pro Haushalt liegen bei durchschnittlich 300 € pro Jahr in Österreich. Gleichzeitig hungern laut FAO, der Welternährungsorganisation der UNO, knapp eine Milliarde Menschen. Übrigens wird kein anderes Produkt in so großen Mengen weggeworfen wie das Grundnahrungsmittel Brot. „In Österreich sind das bis zu 70.000 Tonnen jährlich“, berichtet Kampagnen-Initiator Eisl.
Wirtschaft trägt Verantwortung
„Die WKS hat es sich zum Programm und Ziel gemacht, eine „Wirtschaftskultur der Verantwortung“ zu fördern, und das auch über das Jahr 2009 (WKS-Jahresthema „Wirtschaft trägt Verantwortung“) hinaus. Eine der zahlreichen Initiativen, die aus diesem Schwerpunkt resultierten, ist die Kampagne „Lebensmittel sind kostbar“. Den Stein ins Rollen gebracht hat allerdings eine intensive Diskussion im Landwirtschaftsausschuss des Salzburger Landtages über den nachlässigen Umgang der Menschen mit Lebensmitteln. Bei der Kampagne mit dabei sind u. a. die Salzburger Lebensmittelgewerbe und die Salzburger Juweliere.
„Die Salzburger Lebensmittelgewerbe sind davon überzeugt, dass neben einer naturnahen, nachhaltigen Rohstoffproduktion ein möglichst verantwortungsvoller Umgang der KonsumentInnen mit Lebensmitteln notwendig ist. Das reicht vom bewussten Einkauf über die richtige Lagerung bis zum Verbrauch von Produkten, die das Mindesthaltbarkeitsdatum zwar schon überschritten haben, aber noch nicht verdorben sind. In diesem Sinne begrüße ich die gemeinsame Kampagne von Land und Wirtschaftskammer, die den Stellenwert unserer hochwertigen heimischen Lebensmittel unterstreicht und den bewussten Umgang mit dem wertvollen Gut Lebensmittel fördert“, betont Otto Filippi, Berufsgruppeninnungsmeister der Salzburger Fleischer.
Sehen, riechen, schmecken: Was bedeutet Mindesthaltbarkeitsdatum?
Kann ein Lebensmittel noch konsumiert werden, wenn das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist? Bei den meisten Lebensmitteln ist ein Mindesthaltbarkeitsdatum („Mindestens haltbar bis …“) angegeben, bei besonders leicht verderblichen Lebensmitteln dagegen ein Verbrauchsdatum („Zu verbrauchen bis …“). „Mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum garantiert der Hersteller, dass das Produkt bei Einhaltung der angegebenen Lagerbedingungen seine volle Genussfähigkeit bzw. Qualität mindestens bis zu diesem Zeitpunkt behält. Das heißt, dass ein Lebensmittel üblicherweise länger haltbar ist, als es das Mindesthaltbarkeitsdatum anzeigt“, erklärt Ing. Andrea Igler von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH. Sind bei einer grobsinnlichen Überprüfung (Farbe, Aussehen, Geruch) keine Auffälligkeiten zu bemerken, kann das Produkt bedenkenlos verzehrt werden. Ist dagegen ein Verbrauchsdatum angegeben, sollte bei einem Überschreiten das Produkt nicht mehr konsumiert, sondern entsorgt werden.
„Voraussetzung für die Haltbarkeit ist die strikte Einhaltung der Lagerbedingungen. Bei leicht verderblichen Lebensmitteln darf die Kühlkette nicht unterbrochen werden. Die Verantwortung dafür liegt ab dem Zeitpunkt des Kaufes beim Konsumenten und ist daher vor allem im Sommer schon beim Transport nach Hause zu berücksichtigen. Bei vielen leicht verderblichen Produkten – wie Faschiertem, rohem Fisch und Meeresfrüchten sowie rohem Geflügel – sind oft Lagertemperaturen von 0 bis 2 Grad Celsius angegeben. Diese Temperaturen werden nur in Kühlschränken mit speziellen ‚0-Grad-Zonen‘ erreicht. Wird dieser angegebene Temperaturbereich bei Transport oder Lagerung überschritten, verkürzt sich die Lagerfrist, sodass ein Produkt bereits vor Erreichen des Verbrauchsdatums verdorben sein kann“, ergänzt Igler.
Aktion „Kühlkette“ sorgte für Bewusstseinsbildung
Bereits in den Jahren 2009 und 2011 wurde auf Initiative der Berufsgruppe der Salzburger Fleischer in Zusammenarbeit mit dem Land Salzburg und der Firma Miele die Aktion „Kühlkette“ durchgeführt, die die KonsumentInnen auf den gefährlichen Einfluss von zu hohen Temperaturen auf Lebensmittel informierte. Eine 2011 veröffentlichte Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien ließ die Annahme der Kühlkette-Initiatoren erhärten, dass bei den KonsumentInnen in Sachen richtiges Kühlen und vor allem auch hinsichtlich hygienischer Lagerung von Lebensmitteln noch immer großer Informationsbedarf besteht. Die Salzburger Fleischer haben damals kostenlose Kühlthermometer verteilt, um den KonsumentInnen die Kontrolle der Temperatur von transportierten Lebensmitteln zu erleichtern.
Hohe Qualität bei „Genusstagen“ präsentieren
Ebenfalls auf den besonderen Wert von Lebensmitteln hingewiesen werden soll bei der „3. Nacht des Genusses“ am 13. September ab 18 Uhr, sowie den darauffolgenden „Genusstagen“ (bis 22. September). Die Salzburger Lebensmittelgewerbe machen auf ihre besondere Rolle als Qualitätsproduzenten, Nahversorger, regionaler Arbeitgeber und Ausbilder sowie Partner der heimischen Landwirtschaft aufmerksam. Von der Bäckerei über das Fleischerfachgeschäft, Molkerei und Käserei bis hin zum Schnapsbrenner und Konditor – bei der seit dem vergangenen Jahr auch österreichweiten Genussaktion öffnen zahlreiche Betriebe ihre Pforten und gewähren einen Blick hinter die Kulissen der regionalen Lebensmittelerzeuger (Teilnehmerliste unter www.salzburger-lebensmittel.at).
„Ob feine Wurstwaren, edle Brotsorten oder raffinierte Süßspeisen – die Salzburger Lebensmittelgewerbe stehen für höchste Produktqualität und meisterliche Verarbeitung“, erläutert Filippi. Ziel der „Genussaktion“ ist es, der Öffentlichkeit die große Bandbreite der Salzburger Lebensmittelgewerbe vorzustellen, allen Interessierten die meisterliche Herstellung der Produkte vorzuführen sowie deren optimale Lagerung zu erläutern.
„Bei der ‚Nacht des Genusses’ sowie den anschließenden ‚Genusstagen’ können die BesucherInnen den MeisterInnen bei der Herstellung ihrer innovativen und hochwertigen Produkte über die Schulter schauen und diese anschließend gleich verkosten. Erläutert wird natürlich auch die Herkunft der Zutaten aus biologischer Herstellung. Für die eine oder andere Überraschung werden neue Produkte sorgen, die von den Betrieben extra zur Genussaktion erdacht wurden. Ebenso wird es bei speziellen Produkten Sonderaktionen geben“, freut sich Filippi über das Engagement der teilnehmenden Betriebe.
Kinderzeitung Plaudertasche widmen sich Thema
Die „Plaudertasche“, eine Kinderzeitung von Kindern für Kinder und Erwachsene, widmet sich in ihrer mittlerweile 48. Ausgabe auf Initiative der Salzburger Landwirtschaft und dem Verein Spektrum auch dem Thema Lebensmittel. Unter dem Titel „Die Lebensmittel-Detektive sind los“ schwärmte das Kinderredaktionsteam aus und hat Interessantes, Wissenswertes und Alarmierendes rund um den Wert von Lebensmitteln und das achtlose Wegwerfen zusammengetragen. Die „Plaudertasche“ erschien im Jahr 2000 zum ersten Mal und ist ein weiterer Schritt in der Kooperation aller in der Plattform „Weltkindertag“ beteiligten Initiativen, die bereits seit mehreren Jahren gemeinsam den Weltkindertag organisieren. „Für die Salzburger Landwirtschaft war die Einbindung des Verein Spektrums in die Kampagne ein Muss“, erklärt Eisl, denn das Salzburger Agrar Marketing hat bereits in den vergangenen Jahren sehr viele Lebensmittel-Projekte mit dem Salzburger Verein abgewickelt wie jüngst das „Generationenkochen“ oder die Kinder-Aktion „Die Schranne kocht“.
www.lebensministerium.at/lebensmittelsindkostbar
www.salzburgerlandwirtschaft.at/LebensmittelSindKostbar
Bildtexte:
Bild 1: Bei der Präsentation der Kampagne „Lebensmittel sind kostbar“ in der Miele Galerie (v. l.): Ing. Andrea Igler, Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, Otto Filippi, Salzburger Lebensmittelgewerbe, Landesrat Sepp Eisl, und
Spitzenkoch Josef Illinger.
Bild 2: Landesrat Sepp Eisl, Otto Filippi, Salzburger Lebensmittelgewerbe, Ing. Andrea
Igler, Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, Mag. Martin Melzer, Geschäftsführer von Miele Österreich, Leonie Neureiter von der Kinderzeitung „Plaudertasche“, und Spitzenkoch Josef Illinger (v. l.).
Fotos: WKS/Neumayr
Rückfragen:
Dr. Ursula Michl-Schwertl
Landesinnung der Lebensmittelgewerbe in der Wirtschaftskammer Salzburg
Tel. 0662/8888-281
E-Mail: umichl@wks.at
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