Türkischer Wirtschaftsminister Çaglayan will in zehn Jahren die Türkei unter den Top-10 der führenden Weltwirtschaftsmächte sehen
„Die bilateralen Handelsbeziehungen zwischen der Türkei und Österreich boomen“, freute sich Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl heute, Mittwoch, anlässlich des Besuchs des türkischen Wirtschaftsministers Zafer Çaglayan im Haus der Wirtschaft in Wien. Leitl: „Alleine im ersten Halbjahr 2012 machte das Handelsvolumen zwischen unseren beiden Ländern über eine Milliarde Euro aus. Österreichischen Exporten in der Höhe von 631 Mio. Euro standen Importe aus der Türkei in der Höhe von 539 Mio. Euro gegenüber.“ Die Türkei sei aber noch viel mehr für österreichische Unternehmen, nämlich ein attraktiver Investitionsstandort. „Österreich konnte 2011 zum dritten Mal in Folge im Ranking der ausländischen Direktinvestoren den ersten Platz belegen“, so Leitl.
Das österreichische Investitionsvolumen macht seit dem Jahr 2002 über acht Milliarden Euro aus. Zu den größten Investoren gehören u.a. OMV, Verbund, Mayr-Melnhof, Mondi, Voestalpine, Egger Holzwerkstoffe, Ardex, Kioto Photovoltaiks oder GATX Rail Europe. Weiters hat bauMax bereits mehrere Filialen in der Türkei eröffnet. Insgesamt zählt die Türkei zu den Top-20 der österreichischen Handelspartner. Die Möglichkeiten der gegenseitigen wirtschaftlichen Kooperationen seien aber noch lange nicht ausgeschöpft. Als Ziel nannte Leitl, „das bilaterale Handelsvolumen mittelfristig zu verdoppeln.“
Kräfte bündeln um Wirtschaftskrise zu bewältigen
Wirtschaftsminister Çaglayan betonte diesbezüglich, dass „wir gerade in Zeiten einer globalen Wirtschaftskrise unsere Kräfte bündeln müssen, um diese gemeinsam zu bewältigen. In diesem Zusammenhang lade ich alle österreichischen Unternehmen ein, nicht nur ihre Aktivitäten in und mit der Türkei zu intensivieren, sondern auch gemeinsam mit türkischen Firmen in Drittländer zu gehen – wir können dabei gegenseitig voneinander profitieren.“ Çaglayan wies auch auf die gute wirtschaftliche Performance der Türkei hin. 2011 machte das Wirtschaftswachstum 8,5% aus, für heuer erwartet er 4%. Auch mit der Staatsverschuldung von nur 39% des BIP liege die Türkei etwa weit unter den Maastricht-Kriterien. „Unser wirtschaftlicher Erfolg wird und wurde zu einem großen Teil von unserer Exportwirtschaft getragen. Während Europas Wirtschaft derzeit mit Problemen zu kämpfen hat, geht es bei uns weiter aufwärts. In zehn Jahren wollen wir zu den Top-10 der führenden Weltwirtschaftsmächte gehören“, nannte Çaglayan ein ehrgeiziges Ziel.
Abschließend forderte der Wirtschaftsminister eine Lockerung der Visa-Bestimmungen für türkische Unternehmer in der Europäischen Union ein. „Warum können Waren zwischen der Türkei und der EU auf Grund abgebauter Zollhemmnisse frei verkehren, aber die türkischen Unternehmer ihren Waren nicht frei folgen?“, brachte er die Problematik auf den Punkt. WKÖ-Präsident Leitl meinte dazu, dass die wirtschaftliche Einheit Europas auch die Türkei beinhalte. Bestes Beispiel sei etwa, dass die Vereinigung der europäischen Wirtschafts- und Handelskammern, Eurochambres, auf österreichischen Vorschlag mittlerweile einen türkischen Vizepräsidenten habe. Leitl betonte, dass gerade auf dieser Ebene (Eurochambres), wie auch von Seiten der Wirtschaft, Initiativen zu einer Lösung dieser Problematik an die Politik herangetragen werden.
Möglichkeiten für österreichische Unternehmen in der Türkei
Für österreichische Unternehmen gibt es auch in der Zukunft umfangreiche Möglichkeiten. Besonders im Sektor Umwelttechnik werden in den kommenden Jahren in der gesamten Türkei massive Investitionen getätigt, um das aufstrebende Industrieland an moderne Standards heranzuführen. In Großstädten wie Ankara, Istanbul oder Izmir sowie in Tourismusdestinationen beginnt man vermehrt auf umweltschonende Technologien zurückzugreifen. Vor allem die Bereiche Abfallwirtschaft, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung gelten neben den erneuerbaren Energien als besondere Wachstumssegmente in der Türkei. Die türkische Regierung hat es sich auch zum Ziel gesetzt, bis 2023 sämtliche Umweltprobleme entsprechend den Europäischen Umweltstandards zu lösen. (BS)
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Außenwirtschaft Südosteuropa
Mag. Günther Sucher
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