Studie: Stark rückläufige Wohnbauförderung 2011- Allzeittief erreicht.

28.09.2012
Dr. Andreas Pfeiler / Mag. Ulrike Sangeorzan-Sporer

Massiver Rückgang bei Förderungszusicherungen - Frei finanzierter Wohnbau nimmt zu: Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter warnen vor Negativkonsequenzen für leistbares Wohnen

   

Im Auftrag des Fachverbandes der Stein- und keramischen Industrie und der Arge Ei-genheim hat das IIBW – Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen die Wohnbauförderungsstatistik für das Jahr 2011 erstellt. Andreas Pfeiler, Geschäftsführer des Fachverbandes der Stein- und keramischen Industrie zum wichtigsten Ergebnis: „Eine zunehmend steigende Wohnungsnachfrage trifft auf einen starken Rückgang bei der geförderten Bauleistung. Die damit verbundene Negativkonsequenz ist eine Verlagerung in Richtung frei finanzierter Wohnbau, der viel stärker vom Kapitalmarkt abhängig ist. Ein Rückfall  bei den Förderungszusicherungen von 34.000 auf ein Allzeittief von 25.300 im vergangenen Jahr müssen die Alarmglocken läuten lassen, denn mit 43.300 Wohnungsbewilligungen wurde 2011 so viel gebaut wie seit Mitte der 90er Jahr nicht mehr. Wir beobachten die Tendenz zum instabileren freifinanzier-ten Wohnbau mit Sorge. Die Wohnbauförderung ist das wichtigste wirtschaftspolitische Instrument für eine stabile und bedarfsorientierte Wohnungsproduktion“.

Abg. z. NR Josef Muchitsch, Bundesvorsitzender Gewerkschaft Bau-Holz – Sprecher der Nachhaltig-keitsinitiative UMWELT + BAUEN: „Jetzt haben wir es Schwarz auf Weiß! Wovor wir als Bausozialpartner seit der endgültigen Abschaffung der Zweckbindung der Wohnbauförderung mit 2009 gewarnt haben, wird nun traurige Realität. Österreich verabschiedet sich vom leistbaren Wohnen. Die Wohnungskosten  steigen in einigen Teilmärkten massiv. Dramatisch ist es für Haushalte mit niedrigen Einkommen. Dort „ver-schlingen” die Wohnkosten beim untersten Viertel der Einkommensgruppe in geförderten Mietwohnungen 36,4 Prozent und in nicht geförderten sogar 43,3 Prozent vom Haushaltseinkommen. Die Politik muss endlich aufwachen und dem Grundbedürfnis Wohnen zum sozialpolitischen Schwerpunkt erklären. Seitens der Nachhaltigkeitsinitiative UMWELT + BAUEN haben wir Instrumente in der Strategie „Wohnen 2020“ für leistbares Wohnen mit zahlreichen Experten erarbeitet. Diese werden der Bundesregierung noch im Okto-ber vorgestellt.  Wir brauchen einen ausgewogenen Mix zwischen freifinanziertem Wohnbau für jene, die höhere Wohnansprüche stellen und es sich leisten können, sowie dem geförderten Wohnbau für einkom-mensschwache Haushalte. Was Österreich international ausgezeichnet hat, wurde von der Politik abge-schafft. Das ist unverständlich und nicht nachvollziehbar – leider!“.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

- Anhaltende hohe Wohnungsnachfrage

Die Prognose der Statistik Austria geht von einem Bevölkerungswachstum von 4% bis 2021 aus. Das sind zusätzlich etwa 333.000 Einwohner bzw. 220.000 Haushalte, mit entsprechenden Wohnbedürfnissen. Be-sonders stark ist das Wachstum in Wien mit prognostizierten 6% im kommenden Jahrzehnt.

- Minus 25% bei den Förderungszusicherungen. Rückgang auf Allzeittief 

Die Förderungszusicherungen im Neubau gingen innerhalb von nur zwei Jahren um 25% von fast 34.000 (2009) auf das Allzeit-Tief von nur noch 25.300 (2011) Einheiten zurück. Besonders stark waren die Rück-gänge in Wien, im Burgenland, in Salzburg, Niederösterreich und Vorarlberg. Der Rückgang betrifft die Eigenheimförderung (8.500 Zusicherungen) stärker als den Geschoßwohnbau (16.800 Zusicherungen). 

- Konsolidierung der Länderbudgets auf Kosten des Wohnbaus

Mit EUR 2,66 Mrd. hatten die Länder 2011 um 10% niedrigere Förderungsausgaben als im Jahr zuvor. Der Rückgang betrifft alle Bereiche, besonders stark aber die Sanierung. Überdurchschnittliche Rückgänge verzeichnen das Burgenland, Niederösterreich, Salzburg und Wien.

- Frei finanzierter ersetzt geförderten Wohnbau

2011 wurde der Rückgang der Förderungszusicherungen durch den derzeitigen Boom bei freifinanziertem Wohnbau kompensiert. Mit 43.300 Wohnungsbewilligungen wurde 2011 so viel gebaut wie seit Mitte der 1990er Jahre nicht mehr. Der Neubau liegt damit nahe am Wohnungsbedarf.

- Risiken durch den Rückgang der geförderten Bauleistung

Die Verlagerung vom geförderten zum privaten Markt birgt allerdings wesentliche Gefahren. Während frei-finanzierter Wohnbau sehr rasch auf eine Verschlechterung der Konjunktur reagiert, ist der geförderte Wohnbau in der Lage, durch eine stabile Wohnungsproduktion zur Überwindung wirtschaftlicher Flauten beizutragen. Ein Kippen des Gleichgewichts zugunsten des freifinanzierten Wohnbaus kann auch dazu führen, dass es bei leistbaren Wohnungen zu Engpässen kommt.

- Steigende Wohnkosten – vor allem im privaten Bereich.

Die Wohnkosten in Mietwohnungen stiegen 2011 im gemeinnützigen Sektor im Bereich der Inflationsrate (2,3%), bei privaten Mietwohnungen deutlich stärker (4,3%). Sinkende Förderungszahlen führen zu stei-genden Wohnkosten, gerade auch am privaten Markt.

- Massiver Rückgang der Sanierungsförderung

Nicht nur die Sanierungszusicherungen, sondern auch die Sanierungsausgaben waren 2011 massiv rück-läufig. Mit EUR 700 Mio. fielen die öffentlichen Investitionen in die Sanierung gegenüber dem Vorjahr um 14%. Damit wird bei der Schwerpunktverlagerung der Wohnbauförderung vom Neubau zur Sanierung wieder zurück gerudert.

- Ausgabendynamik bei der Wohnbeihilfe gedreht: Von der Subjekt- zur Objektförderung

Der bisherige massive Ausgabenanstieg bei der Wohnbeihilfe konnte 2010 gestoppt und 2011 gedreht werden. Die Ausgaben sanken 2011 um 6% auf EUR 380 Mio. Der Rückgang ist auf verschärfte Regelun-gen bei der „allgemeinen Wohnbeihilfe“ und die Einführung der bedarfsorientierten Mindestsicherung zu-rückzuführen. Angesichts noch stärker sinkender anderer Förderungskomponenten ist ihr Anteil an den Gesamtausgaben dennoch auf 15% gestiegen.

- Kosten der Wohnbauförderung

Die Ausgaben von Bund, Ländern, Gemeinden und Energieversorgern für den Wohnbau beliefen sich 2011 auf rund 0,8% des Brutto-Inlandsprodukts. Dieser Wert liegt deutlich unter jenen vieler westeuropäischer Länder.

Dazu Wolfgang Amann, als IIBW-Chef für die Studie verantwortlich: „Das Kosten-Nutzen-Verhältnis fällt bei der Wohnbauförderung ausgesprochen positiv aus. Mit im internationalen Vergleich moderaten Kosten wird eine Performance im europäischen Spitzenfeld erreicht.“

Andreas Pfeiler abschließend: „Die Wohnbauförderung ist das Herzstück des österreichischen woh-nungspolitischen Modells, das aus gutem Grund als eines der besten Europas gilt. Die Wohnbauförderung hat massive wirtschaftspolitische Wirkungen, etwa die Stabilisierung der Wohnungsmärkte, die Stabilisierung der Bauproduktion oder die Sicherung von Arbeitsplätzen. Die Wohnbauförderung aktiviert in enormem Ausmaß privates Investitionskapital und forciert Innovation. Wohnen trägt wie kaum ein anderer Bereich zur gesellschaftlichen Integration bei. Wir brauchen ein langfristig gesichertes und gut austariertes System der Wohnbauförderung, dass einer bedarfsorientierten Zweckbindung folgt.“ (US)

 

 

Rückfragen:
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Fachverband der Stein- und keramischen Industrie
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Tel.: 0590 900 3531
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Abg. z. NR Josef Muchitsch
Tel.: 01 40147 246
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Tel.: 01 968 6008
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