Betriebe durch wachsenden Verwaltungs- und Bürokratieaufwand stark betroffen - Wachstum der Sparte unter Österreich-Schnitt – Personalstand soll weiter gehalten werden
Eine „win-win“-Situation attestiert der Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk, Konrad Steindl, der seit 2009 gültigen Schwellenwerte Verordnung: „Sowohl die heimischen Gewerbe- und Handwerksbetriebe als auch die öffentlichen Hand, insbesondere die Gemeinden, haben davon profitiert, denn regionale Aufträge blieben regional, die regionale Wertschöpfung wuchs und etwa im Bereich der Baukosten ergaben sich für die Auftraggeber sogar Kostensenkungen. Somit haben wir es hier mit einem wichtigen Wirtschaftsimpuls für unsere KMU aber auch für die Regionen zu tun.“ Diese positive Grundstimmung bestätigt eine Umfrage unter 300 Gemeinden und 13 Städten, in der sich 92 Prozent der Befragten für eine Beibehaltung der Schwellenwerte-Verordnung aussprechen. Nun gelte es, die Verordnung weiter zu verlängern und nach Möglichkeit in Dauerrecht überzuführen.“
Schwellenwerte-Verordnung als Rückenstärkung heimischer KMU
2010 und 2011 wurde diese Schwellenwerte-Verordnung verlängert, mit der Bund, Länder und Gemeinden Aufträge im Bau-, Liefer- und Dienstleistungsbereich bis zu einem Wert von 100.000 Euro statt wie bisher 40.000 Euro direkt an geeignete Unternehmen vergeben. Der Schwellenwert für das so genannte nicht-offene Verfahren ohne Bekanntmachung wurde von 120.000 Euro auf 1 Million erhöht. „Gerade angesichts der sich nun verstärkt eintrübenden Konjunktur wäre dies ein wertvolles Instrument, um den heimischen KMU (X) den Rücken zu stärken“, so Steindl. Derzeit betragen die öffentlichen Aufträge in der Direktvergabe rund 9 Prozent am Jahresumsatz der Sparte (rund 73 Mrd. Euro)- also etwa 7 Mrd. Euro. 12 Prozent der öffentlichen Aufträge erfolgen über Generalunternehmer bzw. Bauträger.
Gefordert seien die Gewerbe- und Handwerksbetriebe auch durch den immer stärker zunehmenden Bürokratie- und Verwaltungsaufwand, der den Unternehmen durch die mehr als 5.700 gesetzlichen Vorschriften entstehe. Die Belastung der heimischen Wirtschaft liege bereits jenseits der 4 Mrd. Grenze, so Steindl. Allein die Kosten pro Arbeitnehmer für die monatliche Lohnverrechnung würden bei 18 bis 20 Euro liegen. Und auch die Höhe der Lohnnebenkosten hätte inzwischen ein Ausmaß erreicht, das als Kostenfaktor nur schwer in den Preisen der mittelständischen Wirtschaft unterzubringen sei.
Konjunktur: Fahren auf der Kriechspur
„Nachfrageseitige Impulse und kostenseitige Entlastungen wären für das Gewerbe und Handwerk mehr als nötig“ betonte im Rahmen der Quartals-Pressekonferenz der Direktor der KMU Forschung Austria, Walter Bornett. Nach den für die Sparte schweren Jahren 2009 bis 2011 habe sich im ersten Halbjahr 2012 die Situation nicht verbessert, im Gegenteil: Der Ausblick für das Gesamtjahr 2012 sei gedämpft. So meldeten im ersten Halbjahr 21 % der Betriebe Steigerungen bei Umsätzen und Auftragseingängen, 58 % der Betriebe lagen auf Vorjahresniveau und 21 % der Betriebe verzeichneten Rückgänge um durchschnittlich 17,4. „Im Durchschnitt sind die Auftragseingänge bzw. Umsätze im 1. Halbjahr 2012 gegenüber dem 1. Halbjahr 2011 wertmäßig um 0,1 % gesunken“, so Bornett. Gewerbe und Handwerk habe sich damit schlechter entwickelt als andere Sektoren der österreichischen Wirtschaft. Die aktuelle Situation bezeichnete der Wirtschaftsforscher als „Fahren auf der Kriechspur“.
Für das vierte Quartal erwarten, so Bornett, noch immer 20 Prozent der Betriebe steigende Auftragseingänge oder Umsätze (Vorjahr: 24 Prozent), 66 Prozent keine Veränderung und 14 Prozent Rückgänge (Vorjahr: 13 Prozent). In Hinblick auf die Personalplanung werde der Beschäftigtenstand von den Betrieben derzeit gehalten. Dies zeuge von einem hohen Maß an Verantwortung der KMU ihren Mitarbeitern gegenüber.
Geringes Wachstum zu erwarten
Anhaltendes Hauptproblem sei die Ertragslage der Betriebe. Bei durchschnittlichen 2,5 Prozent Jahresertrag vor Steuern und Inflation bleibe lediglich eine schwarze Null und dies sei zu wenig, so Bornett, um die Eigenkapitalsituation nachhaltig zu verbessern. 36 Prozent der Gewerbe- und Handwerksbetriebe würden kein positives Ergebnis ausweisen, 26 Prozent überhaupt über kein Eigenkapital verfügen.
Sorgen bereitet der Sparte auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen. „Es sei eine echte Zurückhaltung spürbar, was Investitionen anbelange“, so Helmut Heindl, Geschäftsführer der Bundessparte. Deshalb erwarte er, Heindl, lediglich ein geringes Wachstum oder sogar eine Stagnation in den kommenden Monaten. Positive Signale seien jetzt wichtig, damit der Optimismus wieder komme und damit verbunden auch wieder die Bereitschaft für Investitionen. (us)
Rückfragen:
Mag. Helmut Heindl
Wirtschaftskammer Österreich,
Bundessparte Gewerbe und Handwerk
Telefon: +43 (0)5 90 900 3291
Fax: +43 (0)5 90 900 217
E-Mail: helmut.heindl@wko.at
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