Fehlzeitenreport: Dauer der Krankenstände sinkt langfristig

24.10.2012
Dr. Dietmar Schuster / Mag. Petra Medek

Krankenstandsquote im Schnitt bei 3,6% - niedrigste Unfallrate seit 1974 – Gesunde Unternehmenskultur hat positiven Einfluss auf Krankenstand

   

Durchschnittlich 13,2 Tage waren unselbständig Beschäftigte in Österreich im Verlauf des vergangenen Jahres im Krankenstand (2010: 12,9 Tage). Das zeigt der aktuelle Fehlzeitenreport, der am Mittwochabend präsentiert wurde. Im Vergleich zum Vorjahr kam es damit zu einem leichten Anstieg der gesundheitsbedingten Fehlzeiten. Das entspricht einer Krankenstandsquote, d. h. einem Verlust an Jahresarbeitstagen, von 3,6% (2010: 3,5%). Der leichte Anstieg gegenüber dem Vorjahr kann zum Teil auf eine hohe Zahl an Krankenständen in den Monaten Jänner und Februar und somit auf eine überdurchschnittlich starke Grippewelle zurückgeführt werden.

Langfristig gesehen ist das Krankenstandsniveau derzeit vergleichsweise niedrig: Die krankheitsbedingten Fehlzeiten erreichten 1980, als pro Kopf 17,4 Krankenstandstage anfielen und die Krankenstandsquote bei 4,8% lag, ihren Höchstwert. In den Jahren 1990 und 2000 waren die Beschäftigten durchschnittlich 15,2 Tage bzw. 14,4 Tage krankgeschrieben.

Verschiebung der Krankenstandsursachen

Der langjährige Trend zu einer Verkürzung der Dauer der Krankenstandsfälle setzte sich 2011 ungebrochen fort. Kurzkrankenstände stellen nunmehr 35% aller erfassten Krankenstandsfälle dar. Der Rückgang der durchschnittlichen Dauer ist auch die Folge einer Verschiebung bei Krankenstandsursachen: Der Anteil der Atemwegerkrankungen am Krankenstandsgeschehen, die typischerweise einen kurzen Verlauf haben, nahm in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zu. 2011 ging jeder fünfte Krankenstandstag auf diese Krankheitsgruppe zurück. Gleichzeitig nahm der Anteil der Verletzungen an den Krankenstandsdiagnosen deutlich ab. Die Quote der Arbeitsunfälle sank auf 365 je 10.000 Versicherte.

Römer: Präventionsmaßnahmen zeigen deutliche Wirkung

„2011 konnten wir die niedrigste Unfallrate seit 1974 verzeichnen, ein Beweis dafür, dass umfassende Prävention Wirkung zeigt. Nachdem man sich in der Prävention aber nie ausruhen darf, starten wir in Kürze bereits mit der nächsten Kampagne. Die Kampagne „Partnerschaft für Prävention – Gemeinsam sicher und gesund“ hat das Ziel, das Verantwortungsgefühl für das Thema Prävention auf allen Mitarbeiterebenen zu stärken und die Zusammenarbeit zum Thema Sicherheit weiter zu verbessern. Denn jeder Arbeitsunfall, den wir verhindern können, ist ein Gewinn“, so AUVA-Obfrau Renate Römer.

Hinterwirth: Mehr als 50.000 gesündere Arbeitsplätze

„Der aktuelle Fehlzeitenreport zeigt im Langzeitvergleich für 2011 ein relativ niedriges Krankenstandsniveau. Die Faktoren dafür sind vielschichtig. Abseits der statistischen Analyse dürfen wir aber einen Grundsatz nicht vergessen: Wer krank ist, braucht angemessene Zeit zur Genesung. Nur das sichert nachhaltig die eigene Gesundheit, aber auch die Gesundheit aller Kolleginnen und Kollegen im Betrieb“, so Felix Hinterwirth, Obmann der OÖGKK.

Hinterwirth: „Überdies bestätigt der Report: Unsere Arbeitswelt ist im Wandel. Arbeitsplatz-, Produktions- und Organisationstrukturen verändern sich – mit all den möglichen Auswirkungen auf unsere Gesundheit.“ In diesem dynamischen Umfeld sei die OÖGKK nicht nur gefordert zu reagieren (heilen), sondern vor allem zu agieren (vorbeugen). Die OÖGKK hat daher ihr Angebot der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) schon jetzt massiv erweitert. Das Echo der Betriebe ist enorm und wächst derzeit im zweistelligen Bereich. „Aktuell erreichen wir mit unserem BGF-Programm bereits mehr als 120 Betriebe. Das bringt zusammen über 50.000 gesündere Arbeitsplätze“, so der OÖGKK-Obmann.

Positive Unternehmenskultur verringert Krankenstände

Einen Schwerpunkt legt der nun präsentierte Fehlzeitenreport auf den Einfluss der Unternehmenskultur auf das Krankenstandsgeschehen. Der Vergleich von Statistiken und Erhebungen zeigt: Wo es Unterstützung im Betrieb gibt, die Zufriedenheit mit der Führungsqualität hoch ist und Gratifikationen geboten werden, sind die Krankenstandswerte unterdurchschnittlich.

Grundsätzlich überwiegt sowohl bei den österreichischen als auch bei den europäischen Beschäftigten hinsichtlich dieser Elemente der Unternehmenskultur eine positive Einschätzung: Rund drei Viertel der Befragten in der EU sind beispielsweise der Meinung, dass ihr Vorgesetzter bzw. ihre Vorgesetzte das Anforderungsprofil einer Führungskraft sehr gut erfüllt. Nur etwa ein Zehntel der Befragten zeichnet ein sehr negatives Bild des bzw. der eigenen Vorgesetzten. Auch das Ausmaß an sozialer Unterstützung durch das Arbeitsumfeld wird insgesamt gut bewertet.

Probst: Gesunder „Lebensraum Betrieb"

Josef Probst, stellvertretender Generaldirektor im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, wies darauf hin, dass ein gesunder „Lebensraum Betrieb“ einen wichtigen Beitrag zur gesundheitspolitischen Vision „für ein längeres und selbstbestimmtes Leben bei guter Gesundheit“ leistet. „Der Fehlzeitenreport zeigt klar, dass der Arbeitswelt im Gesamtkonzept der Gesundheitspolitik eine wichtige Rolle zukommt. In der Lebenswelt Betrieb kann durch die Gestaltung der Arbeitsabläufe, das Führungsverhalten oder eine positive Unternehmenskultur Gesundheit gefördert und Krankheit verhindert werden. Die Sozialversicherung bietet interessierten Unternehmen, die betriebliche Gesundheitsförderung umsetzen wollen, entsprechende Auswertungen und Unterstützungsangebote an. Ziel der Sozialversicherung für die nächsten Jahre ist es, die betriebliche Gesundheitsförderung systematisch und breit umzusetzen “, so Probst.

Kundtner: Gesundheitsförderung in KMU stärken

Arbeiterkammer-Expertin Alice Kundtner wies darauf hin, dass es in den kommenden Jahren verstärkt Maßnahmen geben müsse, die den Beschäftigten in Österreich helfen, den vielfältigen Anforderungen am Arbeitsplatz gewachsen zu sein. „Neben niederschwelligen Angeboten wie „fit2work“ müssen auch innerbetriebliche Strukturen geschaffen werden, die die Gesundheitsförderung gemeinsam mit den Führungskräften in den Betrieben sicherstellen“, betonte Kundtner.

Ein besonderes Augenmerk werde dafür auf Klein- und Mittelbetriebe zu legen sein, die die Mehrzahl der österreichischen Unternehmen ausmachen. „Eine Anhebung des faktischen Pensionsalters kann nur dann in die Praxis umgesetzt werden, wenn den ArbeitnehmerInnen geholfen wird physisch und psychisch gesund zu bleiben“, so Kundtner.

Gleitsmann: Eine gesunde Unternehmenskultur hat Wettbewerbsvorteile

„Es ist sehr wichtig, dass die Arbeitswelt sinnstiftend und gesundheitsfördernd erlebt werden kann. Jede Arbeit geht leichter von der Hand, wenn sie auch Freude macht. Betriebe, die eine gute Unternehmenskultur leben, haben eine geringere Fluktuation und eine höhere Produktivität“, unterstrich Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Neben der Notwendigkeit, betriebliche Gesundheitsförderung als Teil der Unternehmenskultur zu verankern, sei daher für die Gesundheit der Mitarbeiter auch die soziale Gesundheit entscheidend, so Gleitsmann abschließend. (PM)




Rückfragen:
Wirtschaftskammer Österreich
Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit
Dr. Dietmar Schuster
Tel: +43 (0)5 90 900 3714
E-Mail: dietmar.schuster@wko.at

AUVA-Hauptstelle
Mag. Andreas Lexer, MA, MBA
Tel: +43 1 331 11 – 962
E-Mail: andreas.lexer@auva.at

Hauptverband d. österr. Sozialversicherungsträger
Mag. Stefan Spitzbart
Tel: +43 1 71132 3113
E-Mail: stefan.spitzbart@hvb.sozvers.at