Leitl/Nowotny: Kreditversorgung der Betriebe funktioniert, aber strengere Anforderungen in puncto Sicherheiten

29.10.2012
Dr. Ralf Kronberger / Mag. Sabine Radl

OeNB-Gouverneur: Zinsen so niedrig wie nie – WKÖ-Präsident Leitl: KMU-Kredite bei Basel III besser stellen und Mittelstandfinanzierung erleichtern

   

Von einer Kreditklemme kann in Österreich ungeachtet der schwierigen Wirtschaftslage und der sich verschärfenden Rahmenbedingungen für die Banken keine Rede sein. Das betonten der Gouverneur der Oesterreichischen Notenbank, Ewald Nowotny, und Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl, heute, Montag, in einer gemeinsamen Pressekonferenz im Haus der österreichischen Wirtschaft in Wien.

Sicherheitsanforderungen für Kredite sind strenger geworden

„Bei der Kreditversorgung der Unternehmen ist die Situation in Österreich besser als in den anderen europäischen Ländern“, stellte Nowotny fest: Während die Unternehmenskredite im Euroraum seit Beginn 2010 bis August 2012 um 0,8 Prozent gesunken sind, ist in Österreich ein Anstieg um 3,4 Prozent zu verzeichnen, wobei dieses Wachstum sowohl auf die Angebots- als auch die Nachfrageseite zurückzuführen ist: „Die Banken sind bereit, Kredite zu vergeben und bei den Unternehmen ist das entsprechende Interesse dafür vorhanden.“ Allerdings seien die Anforderungen im Hinblick auf Sicherheiten strenger geworden, was insbesondere mit einem Vorgriff der Kreditinstitute auf die Reform der Eigenkapitalregeln, kurz Basel III zusammenhänge.

Kreditzinsen auf Tiefststand

Sehr positiv aus Sicht der Kreditkunden sei zudem die Entwicklung der Kreditzinsen. Nowotny: „Die Zinsen im Kundengeschäft sind in Österreich auf dem tiefsten Stand seit Bestehen der Währungsunion und deutlich niedriger als in anderen Euroländern.“ Bei variabel verzinsten Unternehmenskrediten von bis zu 1 Million Euro und einer einjährigen Zinsbindungsfrist beträgt der Zinssatz 2,2 Prozent (Stand August 2012), verglichen mit 3 Prozent am Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009. Bei Krediten über 1 Million Euro sind es 1,7 Prozent. „Die österreichischen Unternehmen können sich vergleichsweise günstig refinanzieren. Und sie haben dadurch einen Wettbewerbsvorteil, den sich auch nützen, wie die Exportzahlen zeigen“, so der Notenbank-Gouverneur, der in diesem Zusammenhang auch darauf hinwies, dass diese Vorteile sowie auch die gute Exportperformance der heimischen Betriebe insbesondere Österreichs Mitgliedschaft im Euro-Raum geschuldet sind.

Leitl: "Kreditklemme gibt es in Österreich nicht"

Auch das aktuelle Bankenbarometer der WKÖ, das die Einschätzung der Betriebe über ihre Finanzierungssituation widergibt, zeigt, dass es derzeit keine gravierenden Probleme beim Zugang zu Kreditfinanzierungen gibt. „Eine Kreditklemme gibt es in Österreich nicht“, so Leitl. 86 Prozent der Betriebe haben nach eigenen Angaben keine Probleme beim Zugang zu Kreditfinanzierungen, nur 26 Prozent schätzen das Kreditverhalten ihrer Bank als „eher vorsichtig“ ein, was der niedrigste Wert seit Beginn der Umfrage Ende 2008 ist. 75 Prozent sind mit ihrer Hausbank sehr zufrieden oder zumindest zufrieden. Allerdings werden von den Banken wieder mehr Sicherheiten verlangt. 29 Prozent der Betriebe sehen diesbezüglich aktuell strengere Anforderungen, verglichen mit 20 Prozent im Mai 2011.
„Für ein Banken-Bashing gibt es angesichts dieser Umfrageergebnisse keinen Grund. Die Banken leisten in Österreich ordentliche Arbeit“, so das Fazit des WKÖ-Präsidenten.

Positiv im Hinblick auf die künftige Gestaltung der Finanzierungsbedingungen sei auch das sich abzeichnende Ergebnis bei der Umsetzung von Basel III in EU-Recht, über das derzeit auf EU-Ebene verhandelt wird. Nicht zuletzt dank des EU-Parlaments bzw. des dortigen Berichterstatters zu Basel III, Otmar Karas, steht eine wesentliche Forderung der WKÖ vor der Umsetzung. Demnach sollen Kredite an KMU in Basel III gegenüber Basel II noch weiter begünstigt werden. „Die KMU waren in der Krise 2009 die stabilsten Unternehmen, daher ist es nur logisch, dass KMU-Kredite von den Banken mit einem geringeren Risiko unterlegt werden“, so der WKÖ-Präsident.

Rahmenbedingungen für Mittelstandfinanzierung verbessern

Nicht zufrieden sei er, Leitl, hingegen mit der Entwicklung der Investitionen, wo die Zurückbehaltung der Betriebe bedingt durch die starke Verunsicherung infolge der schwierigen Weltwirtschaftslage immer größer wird. Durch den verstärkten Einsatz von Garantien und Haftungen insbesondere auch auf EU-Ebene könnte der Zugang zu Krediten erleichtert werden, so Leitl. Die WKÖ fordert daher die Einrichtung einer europäischen Garantieplattform. Bei einer Dotierung von nur 5 Milliarden Euro könnten durch die Hebelwirkung von 1:10 EU-weit KMU-Kredite von 50 Milliarden Euro bereitgestellt werden. Zudem sei es notwendig, alternative Finanzierungen zu forcieren. In Österreich sollte etwa Beteiligungskapital bis zu einer Höhe von 50.000 Euro steuerlich absetzbar sein. Zudem müssten die Rahmenbedingungen für Mittelstandfinanzierung verbessert werden, etwa indem die Idee einer Mittelstandfinanzierungsgesellschaft reaktiviert und auf neue Beine gestellt wird, so der WKÖ-Präsident abschließend. (SR)  

 

 

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